Licht und Schatten

Unzufriedenheit – Wird es irgendwann auch mal besser?

Hallo Ihr Lieben,

gleich mal vorneweg, dieser Beitrag soll kein großer typischer „Mimimi“-Beitrag werden – auch wenn der Titel das sicherlich leicht vermuten lässt. Viel mehr möchte ich einfach mal beleuchten woher meine eigene Unzufriedenheit mit mir selbst kommt. Schließlich gibt es doch eigentlich kaum einen Grund, dass ich mit mir selbst nicht zufrieden und im Reinen sein kann. Klar ich habe hier und da ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, aber da hatte ich früher auch schon mal wesentlich mehr. Also was ist dann die Ursache für das Alles?

Eine Frage die ich mir wohl zu recht und leider wohl noch viel zu häufig stellen werde. Mal finde ich mich zu maskulin, dann eben zu dick und wann anders einfach nur uäääh. Ich möchte dann einfach nur vor mir weglaufen. Dabei habe ich doch eigentlich gar einen Grund dazu! Seit meinem Outing und meiner Transition läuft doch alles mehr als nur positiv und ich glaube ich muss mich wahrlich nicht vor der Welt verstecken.

Doch es gibt Tage und Momente an denen ich mich theoretisch immer wieder selber runterziehe. Schlimm wird es, wenn ich mir dann noch selber vorhalte was ich nicht oder noch nicht kann, bzw durch das Leben in der „falschen“ Rolle nie gelernt habe. Charakterzüge von mir verfluche. Ich genüge mir einfach selber nicht. Ein Teufelskreis! Welcher zum Glück seit dem Outing und jetzt nach der GaOP wesentlich seltener geworden ist. Dennoch ist es frustrierend und völlig sinn frei.

Ellen Herbes im Juli 2017

Ich bin der Mensch der ich bin – hoffentlich liebenswert – jemand mit dem man gerne zusammen ist und Zeit verbringt. Zum Glück weiß ich von meiner wundervollen Partnerin, meiner Familie und meinen tollen Freunden dass es so ist. Und trotzdem renne ich mein ganzes Leben dem Gefühl von Anerkennung, Lob und Komplimenten hinter her. Die grausame Wahrheit ist wohl, dass ich mich nach all den Lebensjahren immer noch tief in mir drinnen als minderwertig empfinde.

Und warum? Wegen den Dingen die mir als Kind und in der Jugend passiert sind. Mobbing hinterlässt eben doch hässliche Narben auf der Seele! Gerade bei Kindern. Sie verblassen zwar im Laufe der Zeit, doch verschwinden werden sie leider nie ganz. Also wie soll ich damit umgehen? Ich denke es ist das Beste offen dazu zu stehen und Euch zu sagen, wenn ich mal wieder „down“ bin. Nehmt mich einfach in den Arm, schreibt mir etwas Nettes und sagt: „Wir mögen dich, so wie du bist“.

Holt mich einfach raus aus meiner Lethargie. Das hilft mir sicherlich sehr. Wobei ich mir da immer noch an meine eigene Nase packen muss. Wie will ich erkennen, dass ich auf Menschen ganz anders wirke als ich es mir selber einbilde – wenn ich nicht vor die Tür gehe? Mit anderen Worten mich nicht unter die Leute mische. Das muss sich dringendst ändern. Schließlich habe ich mir mein Leben erst vor kurzem zurück erobert und dass sollte ich jetzt auch wirklich genießen. Denn wer weiß schon was morgen ist. In diesem Sinn …

Liebe Grüße
Ellen

7 Kommentare zu “Unzufriedenheit – Wird es irgendwann auch mal besser?

  1. Wir haben uns erst einmal in real gesehen…und ich kann dir sagen, dass du ein ganz, ganz großartiger Mensch bist. Du hast ein absolut einnehmendes Wesen. In deiner Gegenwart fühlt man sich sofort wohl.
    Was ist schon Sozialisation? Ich weiß ja henau was du meinst und wie du dich fühlst. Mir geht es genau so.
    Selbst jetzt, wo sich mein Leben genau in die Richtung entwickelt in der ich es haben will…und sogar eine Liebschaft habe (Gott! Das hätte ich NIEMALS mehr für möglich gehalten), habe ich vor mir und der Welt angst und mache mir gerade alles kaputt.
    Wir wurden in unserer Jugend beschädigt…und es ist viel Arbeit das wieder zu kitten und ein „normales“ Leben zu führen…aber ich bin sicher, dass wir das schaffen.
    In mir wirst du immer eine Verbündete haben ?
    Hab dich lieb!

    • Danke Dir meine Liebe. Ich gehe doch stark davon aus, dass wir es schaffen und unsern Hintern hoch bekommen. Wir haben es schließlich jetzt schon so weit gebracht, dann wäre es doch eine Schande jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Hab Dich auch lieb!

  2. Liebe Ellen, ich glaube, das sich selbst besonders kritische Hinterfragen ist bei nahezu allen Trans*menschen fast schon naturgegeben. Schließlich wissen wir über unsere Vorgeschichte bis in´s Letzte Bescheid und glauben, dass alle anderen uns entsprechend kritisch betrachten würden. Das mag in manchen Fällen und typabhängig auch der Fall sein, in den meisten Fällen sicher nicht; zumindest kann ich mir das nach Deinen Fotos zu urteilen nicht vorstellen! Richtig liegst Du wahrscheinlich in Deiner Vermutung, dass früheres Gemobbtwerden dauerhafte Schäden an der Seele und dem Selbstbewusstsein hinterlässt. Ganz sicher lässt einen das viel sorgenvoller und ängstlicher in die Zukunft schauen, als das der Fall wäre, wenn Du vorher immer nur auf Rosen gebettet gewesen wärst. Was eventuell leichter gesagt ist, als getan, ist, sich außerhalb der Trans*Thematik Sinnfelder aufzubauen, die für ein ganz normales (wird nie völlig „normal“ sein) erfülltes Leben wichtig sind. Ich wünsche Dir, dass Dir Deine Familie und Freunde, vielleicht auch wir Leser Deines tollen Blogs zumindest ein wenig bei helfen können! Alles Liebe! Freue mich auf weitere Nachrichten von Dir – auch Du hilfst mir, auch wenn ich ggü. Dir erst am Anfang stehe…

    • Liebe Maneu, ich danke Dir für Deinen Kommentar .. keine Sorge mir geht es soweit gut und ich hadere sicher nicht an dem Weg den ich eingeschlagen bin. Es war der einzig mir noch mögliche ohne am Ende völlig kaputt zu sein. Mit anderen Worten die Transition war gold richtig. Bei Dir wird es sicherlich nicht anders sein.. *kopfhoch* Wir wuppen dass und nochmals danke :-*

  3. Liebe Ellen, ja ich kann mich beiden Kommentaren vor mir nur anschliessen. Weil ich mir selber mal wieder nicht gut genug war, sagte eine Freundin im „Transtalk“ (SHG in KA), „du musst auch nicht JEDES verdammte Frauenklischee erfüllen“! Das hat mir ein wenig geholfen, nicht immer allzu streng mit mir zu sein. Und im Tantra lerne ich immer mehr anzunehmen was ist. Und ich stelle mich vor den Spiegel und sage dieser Person da dass ich sie mag. Dann bearbeite ich gerade ein Buch (ich glaube ich darf hier nicht werben) über die 12 Lebensblockaden (andere nennen es negative Glaubenssätze) und die dazugehörigen „heilenden negativen Emotionen“ die alle durchgefühlt werden müssen. Ich hatte das mit dem Trennungsbuch (gleicher Autor)auch gemacht und die vier Emotionen „durchlitten“ (Ärger, Trauer, Angst und Bedauern). Als meine Frau mich verliess war ich 5 Monate fast durchweg krank. Nach diesem Bewältigungsprozess war ich dann gesund und blieb es auch. Wir haben heute ein freundschaftliches Verhältniss, machen mit unserer Tochter sogar zusammen Urlaub. Jetzt weiss ich, dass es funktioniert. Dass ich die innere Kraft habe mich selbst zu heilen. Auch wenn ich erst am Anfang stehe, die zahlreichen Verletzungen aus der Kindheit zu heilen. Es sind so viele….
    Ich schaffe mir auch möglichst viele schöne Momente in denen ich das Frau-sein erleben und geniessen kann. Wie bspw. die „Nacht der 1001 Braut“ (googeln…), der Weltrekord wurde nicht geknackt, leider, aber es war ein wundervoller Event. Es ist manchmal so, als ob ich mein Leben noch einmal leben darf, jetzt als Frau, endlich. Auch wenn mir nicht mehr die ganze Lebensspanne zur Verfügung steht. Auch wenn ich nicht weiss, ob ich nochmal einen Partner/in finde, ja im Moment nicht einmal, was das für ein Geschlecht sein wird (und ich frage mich, ob letzteres überhaupt wichtig ist) Und danke auch Maneu für Deinen Kommentar. Seid fest umarmt, alles Liebe, Mariella

    • Liebe Mariella, Dir dann auch auf diesem Weg ein ganz liebes Danke. Wie ich glaube jetzt schon ein paar mal geschrieben habe – ist das Problem nicht, dass ich irgendeinem Klischee hinter her laufen, sondern einfach dass ich in mir als Person, egal in welcher Form, immer nur die Fehler sehe von denen ich meine, dass sie bei anderen auf negative Resonanz stoßen könnten. Letztendlich muss da glaube ich jeder selbst seinen Weg und Umgang mit finden. Deshalb umso schöner, dass Du für Dich einen Ansatz hast der auch funktioniert. Wobei ich muss ehrlich sein, die „Nacht der 1001 Braut“ wäre richtig interessant gewesen … ein Brautkleid zu tragen wäre immer noch ein Traum, der sich wohl aber nie erfüllen wird. Liebe Grüße Ellen

  4. oh, das klingt so nachvollziehbar, … hatte beim Lesen das Gefühl, der Text könnte von mir sein …

    Aber wir schaffen das! Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute, dass es nach und nach immer besser wird und Du immer mehr bei Dir selbst ankommst!

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