U

nd herzlich Willkommen zum Jubiläumsbeitrag von Ellen’s Blog! Heute vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich angefangen meine Gedanken zu ordnen, aufzuschreiben und öffentlich zu machen. Es war ein erster Schritt für mich in die Freiheit! – Ein Schritt, dessen Bedeutung ich damals noch gar nicht wirklich abschätzen hätte können.  Nach jahrelanger Unterdrückung des eigenen Ichs war eben der Punkt gekommen an dem es einfach nicht mehr weiterging.

Der ständige „Selbstverrat“ hatte seinen Spuren auf meiner Seele hinterlassen. Tiefe Wunden gerissen, die mich in einem Strudel aus depressiven Gedanken, Verunsicherung und Selbstzweifel an den Rand eines Nervenzusammenbruchs brachen. So manches mal hatte ich das Gefühl mir würde mein ganzes Leben entgleiten und ich suchte gezielt den schriftlichen Diskurs mit mir selbst. Was lag dann also näher eine Art Tagebuch zu beginnen und erstmal mich selbst zu Fragen „Wer oder was bin ich überhaupt?

Das Tagebuch / der Blog war Anfangs nur für mich gedacht und stand sogar eine lange Zeit nicht öffentlich im Netz. Aber er half mir mich selbst „wieder zu finden“ – meine Gedanken zu sortieren und den Entschluss zu fassen dass ich mich nicht mehr verstecken werde. Mit dieser Selbsterkenntnis trat ich eine Lawine los, die ich nicht mehr aufhalten konnte. Hätte ich es gewollt sie aufzuhalten ? Manches mal ja, weil es mir einfach ab und an zu schnell ging.

Im Nachhinein, war es aber genau richtig. Ich hatte so wirklich nie lange die Zeit über die Konsequenzen nachzudenken und jeder weitere Schritt aus dem Schneckenhaus brachte ein wenig mehr Lebensqualität und Freude in mein Leben zurück. Die „graue Welt“ wurde bunt. Nicht zuletzt durch die wundervollen Menschen in meinem Leben die ich Partnerin, Kind oder Freunde nennen darf. Sie gaben mir die Stärke, die Unterstützung die mir alle Jahre vorher gefehlt hatte um zu mir stehen zu können.

Und so war es relativ schnell klar wohin die Reise gehen würde. Unter dem Motto: „Träume nicht dein Leben. Lebe deinen Traum“  schaltete ich bereits Ende 2014 die ersten Weichen für meine Transition („Wechsel“) von Mann-zu-Frau.  Anfang 2015 bei meinem ersten Termin für die begleitende Psychotherapie war ich bereits trotz ein wenig Gegenwind komplett geoutet und lebte öffentlich nur noch als Frau.

Der Blog war schon längst für mich mehr als ein Ventil. Es war ein Sprachrohr für mich geworden. Ich wollte der ganzen Welt zeigen dass ich da bin – dass ich „normal“ bin. Und was als wichtiger Faktor dazu kam, ich wollte anderen einfach Mut machen diesen Schritt zu gehen. Vielleicht habe ich den ein oder anderen erreicht. Schließlich ist es egal, wie alt du bist. Es ist nie zu spät um zu sich selber zu stehen.

Beschönigt habe ich allerdings nie etwas. Es ist hart mit 40 eine Transition zu wagen. Ich hatte und habe immer Selbstzweifel, aber auch noch die Hoffnung, dass ich irgendwie halbwegs unauffällig mit meinen 1,83 cm als Frau leben kann. Es gelingt mir nicht immer. Da bin ich ganz ehrlich. Und so mancher Blick bohrt sich tief ins Herz. Zurück in mein „altes Leben“ würde ich aber dennoch nicht wollen. Und da ich mich nicht ändern werde muss sich eben die Gesellschaft anpassen und lernen mit mir zu leben.

Dank der Hormonersatztherapie (HRT/HET) hat sich zum Glück schon vieles zum Positiven getan. Aus einem hässlichen Entlein ist eine kleine unscheinbare Rose geworden. (Dornen inklusive) Falls mich dann doch mal jemand fragt ob ich mich schön finde? Sage ich trotzdem meistens nein. Warum ? Vermutlich weil mein Kopf alles noch nicht im Einklang hat. Das Bild was ich von mir früher und das Bild was ich jetzt vor mir im Spiegel habe. Wobei ich sagen sollte, ich finde mich jetzt endlich wirklich ich. Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich mich. Etwas was in Gold nicht aufzuwiegen ist. Kein Wegdrehen mehr von Kameras, keine Abscheu und sogar Ekel vor mir selbst. (Bis auf eine bestimme Ausnahme)

Die Vornamens- und Personenstandsänderung in diesem Jahr, hat mir noch einmal mehr Rückenwind gegeben. Nicht zuletzt das ich jetzt weiß, dass es mir niemand mehr nehmen kann. Mein Status als „Frau“ sollte nun über jeden Zweifel erhaben sein. (Sehr überzogen) Zumindest hat seit dem nie wieder jemand komisch geschaut wenn ich mit meiner Bankkarte gezahlt habe.  Was für mich ein Zeichen ist, dass ich für die meisten draußen absolut stimmig bin. Eben einfach der Mensch der ich bin.

Womit ich dann für Euch einen Blick in die Zukunft von mir und dem Blog öffne. Ein Blick in die Glaskugel quasi. Meine Transition ist mittlerweile recht weit fortgeschritten. Die Bartepilation läuft gut – auch wenn es noch einiges zu tun gibt. Im kommenden Monat (Oktober ’16) habe ich ein paar Termine vor mir, die mir die Tür für eine sehnlichst gewünschte geschlechtsangleichende Operation hoffentlich weit öffnen werden.  Ich werde Euch auf jeden Fall von jedem einzelnen Termin berichten. Sehr wahrscheinlich auch von dem Antrag bei der Krankenkasse selbst. Ein spannender Monat liegt vor mir. Drück mir die Daumen dass der Antrag durch geht.

Endes des Jahres möchte ich mit der Logopädie beginnen. Ja, ich weiß – ich wollte es eigentlich ohne schaffen und ich denke auch, dass mein Stimmpassing von Natur aus erträglich ist. Den ein oder anderen Kniff möchte ich dennoch gerne mitnehmen. Und abschließend werde ich den Blog langsam in eine etwas andere Richtung bringen. Klar wird es das Thema Trans* hier immer geben. Es ist schließlich ein Teil von mir und meiner Vergangenheit. Doch wird sie nicht mehr die große Rolle spielen und ich möchte den Blog halt auch einfach nicht still legen.

Aus diesem Grund wird es in Zukunft häufiger mal Beiträge von ganz anderen Dingen wie z.B. Nageldesign, Bildbearbeitung, Basteleien u.v.m. geben. Ich merke es ja selber, wie gut es mir tut einfach mal wieder kreativ zu sein. Vielleicht gefällt es Euch ja – Über Feedback / Kommentare oder Wünsche bin ich immer dankbar. Nun bleibt mir nur noch eins. Auf ein weiteres tolles Jahr mit meinem Blog und Euch.

Liebe Grüße
Ellen