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enn Menschen dir den Rücken kehren tut es meist weh. Wenn es dann auch noch Menschen sind, die dich fast 15 Jahre durch das Leben begleitet haben tut es umso mehr weh. Du fragst dich, was du falsch gemacht hast oder ob du dich einfach nur in dem Menschen so geirrt hast. Dabei willst Du doch nur offen und ehrlich sein und selbst zu dir stehen können. Das Versteckspiel beenden und offen zu Dir und Deinen Gefühlen stehen können.


Macht es mich zu einem schlechteren Menschen weil ich transsexuell bin ? Macht es mich zu einem schlechteren Menschen weil ich nicht mehr konnte und es eben öffentlich machen musste ? Ich habe mich vom Charakter nicht geändert. Ich habe keine hoch ansteckende Krankheit und dennoch werde ich als „krank“ und „pervers“ beschimpft. Eine Chance zu einem offenen Gespräch wird nicht gegeben. Mittlerweile ist auch die Frage ob ich das noch will.

Klar ich bin die Letzte die den Kontakt nicht wieder zulassen würde, wenn sich die ein oder andere Person sich von sich aus wieder melden würde. Sich wenigstens meine Geschichte anhören und sich nicht auf das verlassen würde was andere sagen. Nein, ich bin keine Person die sich öffentlich lächerlich machen will und mir liegt es fern überhaupt im Mittelpunkt stehen zu wollen. Einfach Leben uns leben lassen.

Verständlich wenn es verletzte Gefühle gibt, weil die Person glaubt ich wahr nicht aufrichtig zu ihr. Es sei nur versichert, Transsexualität verläuft nicht gradlinig, mal ist sie da, dann wieder weg. Mal habe ich sie erfolgreich verdrängt und nicht mehr als existent gesehen. Einzig was immer blieb war einfach ein brennendes Gefühl tief drinnen, anders zu sein als alle anderen. Das ich dann doch eines Tages zu mir stehen konnte finde ich daher als echte Befreiung. Auch wenn es jetzt wohl heißt Abschied zu nehmen.

Abschied – Ein hartes Wort – Aber ein Abschied muss nicht für immer sein. Meine Tür steht immer offen, genauso wie mein Herz. Ich kann verzeihen, dass man mich fallen gelassen hat – Aus welchen Gründen auch immer. Jemanden schaden war nie mein Ziel.

Ich möchte noch etwas aus gegebenen Anlass los werden:

Toleranz beginnt nicht außerhalb der Familie oder des Freundeskreis, sondern im direkten Umfeld. Man kann nicht sagen ich toleriere es, aber nicht in meinem Bekanntenkreis. Das hat dann nichts von Toleranz sondern einfach nur Ignoranz. Wir sind alles Menschen und haben alle unsere Probleme. Sollten wir dann nicht über Banalitäten wie sexuelle Orientierung, Herkunft und/oder Geschlechtsidentitäten stehen und uns gegenseitig unterstützen als auf einander los zugehen ?

Eine Geschichte hat immer zwei Seiten. Höre Dir beide an und verurteile nicht voreilig. Vor allem bilde Dir Deine eigene Meinung, kämpfe für Sie und lass Dich nicht beeinflussen. Denn sonst verlierst Du die Freiheit der Mensch zu sein, der Du eigentlich sein möchtest.

Eine nachdenkliche und traurige
Ellen