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i Ihr Lieben,

wie angekündigt geht es nun Schlaf auf Schlag mit den Blog-Einträgen. Es ist eben wirklich so einiges passiert. Wer mich schon ein Weilchen kennt weiß, dass ich dazu neige mich schon lange vorher mit Dingen zu beschäftigen, die eigentlich noch gar nicht akut sind. Wieso dann eben auch nicht mit der geschlechtsangleichenden Operation (GaOp) ?! Okay, ich muss noch 8 Monate Therapie machen, bevor ich überhaupt einen Antrag bei der Krankenkasse stellen kann (18 Monate begleitende Psychotherapie ist Pflicht in Deutschland) – Aber lieber gut informiert als am Ende schlecht beraten. Schließlich hab ich nur eine Chance und da sollte es passen. Aber nun zu meinem Beratungsgespräch bei Dr. Schaff in München am letzten Freitag.

Die Meinungen bei den Ärzten und Techniken für die GaOp gehen bekanntlich weit auseinander. Egal wie viele ich befragt habe, jedes mal habe ich eine eigentlich komplett andere Aussage erhalten. Die Einen halten die Penile inversion für die einzig richtige Methode, Andere die kombinierte Methode von Dr. Schaff und wieder Andere gehen sogar soweit und sagen, es gibt in Deutschland keinen Arzt der Ihnen auch nur anreichend vom Ergebnis reicht und fahren zum Beispiel nach Thailand. Dann allerdings auf eigene Kosten.  Da für mich Thailand aus mehreren Gründen völlig unrealistisch ist, dachte ich versuche es erstmal mit dem Arzt der wohl in Deutschland einen der Besten sein soll. Zumindest so der Ruf.

Freitag 19.02.2016 um 5:30 Uhr – Täglich grüsst das Murmeltier – oder in diesem Fall die Ellen. Gestern noch Gutachten in Nürnberg und Heute zum Beratungsgespräch nach München. Ich hab ja sonst nichts zu tun. Ich werde mich jetzt nicht beschweren. Nur der Tag vorher war echt heftig, so dass ich sogar noch am nächsten Morgen Nachwirkungen hatte. Dementsprechend schwer glitt ich aus dem Bett und schleppte mich ins Bad. Eigentlich hatte ich gar keine Lust. Da ich aber für den Termin fast 3 Monate gewartet habe wollte ich den natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Außerdem hatte ich die Fahrkarte schon. Dank der Bahn für 19,- Euro IC nach München. Wenigstens kein Umsteigen und Steckdose am Platz.

Um 7:25, nach dem all morgendlichen Irrsinn, fuhr ich dann zum total verschneiten Bahnhof. Na super! Der Zug hatte schon mal 10 Minuten Verspätung. Wie hätte es auch anders sein sollen, wenn ich schon mal mit der Bahn fahre. Es war echt ungemütlich auf dem Bahnsteig. Schnee von oben und kalt. Ein guter Start in den Tag. Gott sei dank war dann aber im Zug ein Platz an einem Tisch mit Steckdose frei und ich konnte wenigstens die Fahrt über fleißig mit dem Handy schreiben. Was die gefühlte Fahrzeit erheblich verkürzte.

Um 10:25 war ich dann am Bahnhof und lief dann natürlich erstmal in die falsche Richtung – So viel zum Thema Orientierungssinn. Also wieder zurück und noch ein Anlauf. Dies mal fand ich die richtige Straße – Ein Glück das die Praxis so nah am Bahnhof ist. Der Eingang war allerdings etwas versteckt. Wobei ich ihn dann doch gleich gefunden habe. Mit dem Fahrstuhl ging es dann in den dritten Stock und durch die Glastür in die Räume von Dr. Schaff und Dr. Morath.

Wow !! Wo war ich gelandet ?  Habt Ihr auch so ein bestimmtes Bild von einer Schönheitsklinik? Alles sehr modern und hell. Ich erwarte jeden Moment jemanden mit einer Botox-Spritze durch den Flur zu rennen. Was natürlich nicht war. Dafür wurde ich aber von einer sehr netten und sympathischen Dame in Empfang genommen. Ach ja und anders als am Tag zuvor. War die Anrede jederzeit weiblich. Sie korrigierte meinen Namen auch noch gleich, als sie feststellte, dass auf der Karte noch der falsche steht und ich wurde freundlich ins Wartezimmer geschickt.

Auch hier alles hoch modern und sauber. Die Zeitschriften fein säuberlich aufgereiht. Was für ein Kontrastprogramm zu üblichen Arztpraxen. Ich begrüßte die anderen wartenden Patienten und setzte mich auf einen freien Stuhl. Ob ich hier wirklich richtig bin? Ja, auf jeden Fall und vorbereitet war ich auch. Ein paar Tage zuvor habe ich mir extra die wichtigsten Fragen auf Karteikarten geschrieben und sie mir mitgenommen.  Nun hieß es nur noch warten.

Kurz nach 11:00 Uhr wurde ich dann aufgerufen und in ein Besprechungszimmer geführt. Die Arzthelferin fragte mich noch ein paar Dinge ab und verließ den Raum wieder. Ein paar Augenblicke später trat dann Herr Dr. Schaff in den Raum ein. „Kenne ich sie ? Sie kommen mir so bekannt vor!“, so begrüßte er mich. Seltsam? Der kann sich doch mein Gesicht nicht fast ein Jahr lang gemerkt haben. Ich saß doch nur in einem Vortrag von ihm und hab kein Wort gesagt. Aber anscheinend, hat er sich wohl doch gemerkt. Entweder hat er so ein gutes Gedächtnis oder ich hab so einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Spaß bei Seite. Das Eis war auf jeden Fall gebrochen.

Und schon ging es ans Eingemachte. Ich erklärte wieso ich zu ihm gekommen bin und dass ich erstmal wissen wollte ob und in wie weit eine GaOp bei mir überhaupt möglich ist. Was folgte war klar – er wollte das Korpus Delikti sehen. Mit gemischten Gefühlen also dann Hosen runter – ich hasse dass. Da wurde mir mal wieder klar, wie sehr ich froh bin wenn es eines Tages mal weg ist. Er war sichtlich erstaunt was er sah, er hätte sowas in seiner Karriere noch nie gesehen. Klar hat er schon viele mit einer Beschneidung gehabt, aber nicht in der Form. Durch die viele erhaltene innere Vorhaut wäre es absolut kein Problem das Äußere schön zu gestalten. – Das innere Vorhautblatt wäre eben fast vollständig erhalten geblieben.

Allerdings stellte er auch gleich fest, dass die Gestaltung nach Innen wesentlich schwerer wird und sehr wahrscheinlich ein freies Hauttransplantat benötigt. Also rannte er los und organisierte ein paar Vorträge, an denen er mir die Problematik erklären wollte. So, da war ich nun mit dem Salat. Zum Einem froh, zu wissen das es möglich ist und zum Anderen, dass er sich sichtlich so viel Mühe macht um eine Lösung zu finden mit der wir beide Leben können.

Nach ein paar Minuten kam er wieder und zeigte mir dann an Hand von einigen Bildern und Skizzen – die er auf dem Patienten-Bogen zeichnete – wie es wohl am Beste zu lösen wäre. Ich bin ehrlich, wenn ich sage bis jetzt hatte ich noch nie das Gefühl, dass sich ein Arzt so viel Gedanken um mich macht wie er. Ich verstehe wirklich nicht, woher dann die Vorbehalte kommen – Aber gut. Wir gingen dann auch noch durch, warum eine Penile inversion einfach nicht möglich und schon gar nicht sinnvoll wäre – besonders in meinem Fall. Dass er die reine Penile inversion an sich sogar ablehnt ist ja bewusst und zeigte er auch ganz klar. Das er die Meinung hat ist auch durchaus sein recht.

Zum Abschluss folgte dann noch ein kleiner Exkurs in dem Stand der Dinge  seiner Operationstechnik und dass er es immer noch Schade findet, dass alle Ärzte eigene Begriffe erfinden und sich so kein klarer Vergleich der Ergebnisse ermöglichen. Angereichert war das komplette Gespräch mit viel Smalltalk und netten Anekdoten aus seiner Arbeit – Was das Gespräch sichtlich auflockerte. So sehr, dass er sogar seinen Kaffee vergessen hatte und nun kalt war. Nach 2,5 Stunden Gespräch auch kein Wunder 😉 Ohne großartige Verabschiedung brachte er mich dann zum Empfang bzgl. Attest für die Krankenkasse und Terminvergabe und war fort. Schade eigentlich aber dass Wartezimmer war schon wieder gut gefüllt. Vermutlich verursacht durch mich 😉

Die Arzthelferin klärte mich dann nochmal auf, dass sie die Termine vergeben wie sie kommen und da die Liste recht voll ist – haben sie erst wieder freie Termine im Juli 2019. Den ich dann natürlich erstmal dankend angenommen habe. Denn wie Dr. Schaff selbst gesagt hat, kann es durchaus sein, dass die Wartezeit bei einer genehmigten Operation von der Krankenkasse die Wartezeit erheblich verkürzt. Außerdem gibt es immer wieder Absagen, die sie dann spontan mit Patienten die Warten auffüllen. Ich bin dann mal gespannt.

Anschließend verließ ich die Praxis mit Attest, Termine für die erste und zweite Operation und eine Rechnung für die Beratung. Knapp 100,- Euro ist absolut vertretbar, wobei fast 50,- Euro für das Attest war. Die Zuzahlung – liegt übrigens aktuell bei 2.500,- Euro Netto – Mit Mehrwertsteuer dann ca. 3.000,- . Also ein deutliches Plus. Also wenn jemand mag, ich nehme gerne Spenden für meine Operation an 😉 Quatsch, ich versuch es erstmal irgendwie zur Seite zu sparen. Wird schon gehen. Diese Zuzahlung ist allerdings auch das größte Manko für eine Operation bei Dr. Schaff, aber wenn dafür das Ergebnis stimmt soll es mir recht sein. Thailand wäre es um ein vielfaches mehr.

Die Fahrt nach Haus zog sich dann sehr lange hin. IC und Regionalbahn – der Unterschied macht sich dann doch bemerkbar. Zu Hause angekommen war ich dann glücklich erstmal die letzten Tage überstanden zu haben. Nun zwei Tage danach, denke ich mir, ich werde mir den ein oder anderen Arzt auch nach anhören .. nur um die Meinung zu hören. Sie werden es allerdings schwer haben mich zu überzeugen. Denn ganz ehrlich die Argumente und die Ausführungen von Dr. Schaff waren schon sehr überzeugend. Alleine das wir alles Schritt für Schritt durchgegangen sind zeigt schon, dass er weiß wovon er redet.

Zumindest bin ich jetzt glücklich zu wissen, dass es geht und sogar funktionell sein kann. Ich wäre so froh, wenn es schon so weit wäre. Aber ist es nicht. Darum heißt es aktuell nicht verzweifeln.
Mit jedem Tag steigt die Abneigung zu dem Anhängsel da unten. Besonders toll fand ich es ja noch nie. Dann war es so, es ist halt da .. und nun nein danke.

Liebe Grüße
Ellen