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ie einige von Euch vielleicht wissen bin ich selbstständig und daher mehr oder weniger auf meine Kunden angewiesen. Klar, neue Kunden lernen mich nicht anders kennen und somit kein großes Problem – Entweder sie kommen mit mir zu recht oder eben nicht. Was aber in meinen Augen viel problematischer ist. Was ist mit meinen bestehenden Kunden? Kommen sie damit zu recht oder verliere ich sie am Ende sogar? Ich glaube die Bedenken waren auch der Grund dafür, dass ich das berufliche Outing bis jetzt vor mir hergeschoben habe. Doch da ich in absehbarer Zeit meinen Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung abzugeben wird es langsam Zeit! So habe ich eben begonnen mich bei meinem Kunden zu outen. Na ja, nicht bei allen aber der erste Schritt ist getan.


Also wie bin ich vorgegangen? Ursprünglich wollte ich es über persönliche Gespräche lösen. Was sich als schwierig erwiesen hat, da ich die meisten Kunden gar nicht zu Gesicht bekomme. Und die Möglichkeiten die ich hatte habe ich einfach nicht genutzt. So habe ich dann die Tage beschlossen, ich werde einfach eine Email an die Kunden schicken – Also formulierte ich an einer allgemeinen Nachricht. Verwarf sie und schrieb wieder neu. Das ging ein paar Mal bis ich einen halbwegs für mich passablen Text gefunden hatte.

Okay, nun hatte ich also den Text, aber wen schicke ich es wann? Ich hab beschlossen die Mail in mehrere Phasen zu versenden. Die erste habe ich so eben erledigt. Die Nachricht ging an alle Kunden die ich hier lokal vor Ort habe. Boah, bin ich nervös gewesen. Man malt sich ja wieder die schlimmsten Dinge aus. Doch die erste Rückmeldung lies nicht lange auf sich warten. Sie war positiv! Zitat: „Wir danken Ihnen für die offenen Worte. Finden es sehr mutig und genau richtig diesen Schritt zu gehen. Wir freuen uns auf eine weitere perfekte Zusammenarbeit mit einer glücklichen Ellen Herbes“ .. Hurra! Mal sehen ob sich noch ein paar Kunden melden werden.

Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht und die letzte Bausstelle in Richtung Outing wird nun geschlossen. Ich muss mir nur jetzt klar werden, welche Kunden ich als nächstes angehe. Es ist und bleibt eine schwierige Entscheidung die ggf. auch viel Fingerspitzengefühl erfordert. Es wird schon klappen!

Falls jemand den Text der Mail lesen möchte (ggf. als mögliche Vorlage für sein eigenes berufliche Outing) – Hier ist er:

Sehr geehrte Kundin,
sehr geehrter Kunde,

ich möchte Sie heute über einen Sachverhalt meiner Person betreffend informieren. Seien Sie versichert dass es mir alles andere als leicht fällt dies jetzt zu tun. Aber es gibt für mich persönlich keinen anderen möglichen Weg als diesen.

Ich leide seit meiner Kindheit an einer Geschlechtsidentitätsstörung. Das heißt ich wurde zwar anatomisch als Mann geboren, fühle mich aber innerlich schon immer dem weiblichen Geschlecht zugehörig (also als Frau). Sie kennen es vielleicht unter dem Begriff Transidentität oder Transsexualität.

Sie fragen sich sicherlich jetzt wieso ich Ihnen das schreibe. Ich habe für mich nach einer langen Phase der Verheimlichung und Unterdrückung entschieden, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Zu belastend war es für mich einfach geworden, so dass die Angst vor Ablehnung in den Hintergrund trat. Mit anderen Worten ich werde alles mir mögliche unternehmen, um mein Äußeres mit meinem gefühlten Geschlecht in Einklang zu bringen.

Dazu gehört eben auch eine Vornamens- und Personenstandsänderung. Das heißt dass vermutlich im Laufe des kommenden Jahres gesetzlich mein Name auf „Ellen Marie“ geändert wird. Ich würde es aber jetzt schon sehr begrüßen, wenn Sie diesen bereits verwenden könnten.

Ansonsten ändert sich für Sie natürlich nichts. Ich werde wie gewohnt kompetent, schnell und professionell für Sie zur Verfügung stehen. Vermutlich nur um einiges glücklicher.

Mit freundlichen Grüßen
Ellen Herbes

Liebe Grüße
Ellen