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ie versprochen geht es nun endlich mal wieder weiter mit Themen aus dem Bereich Trans*. (Die Reise geht weiter) Ich hoffe für Euch war die Wartezeit nicht halb so schlimm, wie für mich? Kurz um – es war eine riesige Qual und eigentlich unerträglich! Mit jedem Tag der verging fühlte ich mich ein wenig mehr hilflos und unwohler in meinem Körper. Zu gerne würde ich mich selbst davon „erlösen“ und die Geschlechtsangleichende Operation sofort machen lassen. Aber leider geht es nicht so schnell. Die Mühlen in Deutschland malen langsam – sehr langsam. Und so muss ich noch ein paar Tage / Wochen warten, bis ich den Antrag an die Krankenkasse schicken kann.

Vor allem muss ich bis dahin noch ein paar fehlende Unterlagen besorgen. Ein Glück, dass ich gestern dafür einen Kontrolltermin in der Endokrinologie hatte. Und noch besser, dass ich dort bereits vor 6 Monaten immer wieder bescheid gegeben habe, dass ich einen Befundbericht für die Krankenkasse im Oktober brauche. Ja, es hätte so leicht sein können und ich hätte mit dem Arztbrief nach Hause gehen können. Wenn nicht …

Wenn wir nicht erst letzte Woche dort angerufen hätten und auf einer Nachfrage die Information bekamen – Befundbericht ? Ne, den haben wir nicht fertig. Sie konnten sich nicht dran erinnern, dass ich so etwas überhaupt angefordert hatte. Merkwürdig. Schließlich war der Brief dazu in meiner Patientenakte. Na ja, belassen wir es dabei. Mit der Erwartung, dass der Brief nicht fertig ist bin ich also am Montag in die Endokrinologie gefahren. *schnipp Zeitsprung*

Eben schnell mal das übliche Prozedere mit der Blutabnahme über mich ergehen lassen und gewartet, dass ich zum Arztgespräch aufgerufen werde. Business as usual eben. Die Ärtzin die ich vorher noch nie hatte. War mir gleich total sympathisch. Sie hat es doch tatsächlich geschafft meinen Nachnamen richtig auszusprechen und sogar auf französisch. Ich war sichtlich geplettet. Schließlich ist mir das  in meinem ganzen Leben noch nicht passiert.

Es folgte dann die Frage wie es mir gehen würde. Was ich nur mit einem „sehr gut“ beantworten konnte. Weil bis jetzt kann ich wirklich nicht sagen, dass die Hormone irgendwelche Probleme verursachten. (Bzw. in einem anderen Bericht mehr dazu). Sie schaute sich die aktuelle Medikation an. Überlegte kurz. Und stellte fest, dass der Estradiol-Wert ihr eindeutig zu niedrig ist. WOW!!! Über 15 Monate Hormonersatztherapie und jetzt fällt es doch wirklich jemanden auf.

Ich habe mich das erste Mal wirklich ernst genommen gefühlt. Wir besprachen, dass wir versuchen wollen den Wert nun endlich mal auf ein angemessenes Niveau zu bekommen und sie entschied mir 3 mg Sisare Gel pro Tag (satt 2 mg) zu verschreiben.  Ein Traum. Ganz ehrlich die letzten Wochen habe ich es eh eigenmächtig gemacht und siehe da, endlich tut sich an gewissen stellen auch etwas. So hab ich nun sogar die offizielle Bestätigung das machen zu dürfen. Der Termin war also ein voller Erfolg.

Doch was dann geschah irritiert mich viel mehr. Sie stellte von sich aus fest, dass ich ja die Unterlagen für die Geschlechtsangleichende Operation angefordert habe und dass sie den Arztbrief sogar letzte Woche extra noch fertig gemacht hat. Allerdings hat ihn bis jetzt noch kein Oberarzt unterschrieben und so kann sie ihn mir leider noch nicht aushändigen. Sie will ihn mir aber die Tage nach schicken. Diese Ärztin war der Wahnsinn !! Total motiviert und ein Lichtblick in der Endokrinologie.

Zwar war ich traurig, dass ich den Brief nun doch nicht mitnehmen konnte, aber ich weiß nun dass alles von mir nötige in die Wege geleitet wurde und ich mich eben halt noch etwas in Geduld üben muss. Denn ganz ehrlich, ich möchte der Krankenkasse einen Antrag hinlegen, den der MDK nicht so ohne weiteres ablehnen kann. Übrigens gab es dann am Empfang noch einen Moment, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Die Empfangsdame war damit beschäftigt mir mein Rezept auszustellen, als sie bemerkte warum ich mir denn die Medikamente nicht von einem Arzt in Ansbach ausstellen lassen. Es wäre doch so viel praktischer für mich. Ich sagte nur schön wär es. Denn leider ist mein Versuch einen Arzt in Ansbach für meine Hormontherapie zu finden kläglich gescheitert. Mehr oder weniger immer mit der Begründung wir nehmen keine Trans*-Personen. Mit anderen Worten wäre ich eine Bio-Frau hätte ich sofort jemanden gehabt. So viel zum Thema ärztliche Versorgung hier vor Ort 🙁

Was auf jeden Fall positiv vom Termin in der Endokrinologie bleibt – die Reise geht weiter!! Mein nächstes Etappenziel diesen Monat wird meine Psychotherapie-Sitzung sein, bei der ich dann hoffentlich die Indikation für die GaOP und die restlichen Unterlagen mitnehmen kann. Mit ganz viel Glück kann ich dann wirklich noch Ende Oktober / Anfang November meinen Antrag an die Krankenkasse schicken. Und mit noch mehr Glück sogar die Genehmigung für die Operation erhalten. Ich wünsche es mir so sehr.

Liebe Grüße
Ellen