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s wird mal wieder Zeit Euch auf dem Laufenden zu halten. Schließlich bin ich mittlerweile schon ein paar Wochen glücklich zu Hause und habe mich soweit wie möglich wieder eingelebt. Klar hat die Geschlechtsangleichende Operation ihre deutlichen Spuren hinterlassen und ich bin noch lange nicht wieder so fit wie vor der Operation. Aber die Genesung schreitet gut voran und ich bin heute mehr oder weniger schon komplett schmerzfrei. Es läuft also alles optimal und ich will und werde mich nicht beklagen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – Und deswegen und weil gerade alles wirklich rosig und super toll aussieht – möchte ich Euch dann doch erzählen wie es mir so die letzten 3 Monate nach der GaOP ergangen ist und was ich so erlebt habe. Ich hoffe es gefällt Euch?

Ich will aber …

Die ersten Tage nach dem Krankenhaus waren für meine Familie und besonders für mich extrem emotional. Nicht nur weil ich froh war endlich wieder daheim zu sein, sondern auch weil sich die Anspannung der letzten Wochen in einem Meer aus Tränen löste. Von einem Moment auf den nächsten brachen die Dämme und ich musste unwillkürlich weinen. Dabei war ich alles andere als traurig.

Nur lag es nicht in meiner Macht es zu kontrollieren.  Die Gefühle suchen sich dann doch irgendwann den Weg nach Draußen. Zum Glück habe ich eine wirklich verständnisvolle Partnerin – die mir zwar nicht helfen konnte – aber für mich da war und mich so aufbaute. Das ist Liebe! *schwärm*

Gott sei dank war dieses emotionale Tal auch schnell durchschritten und ich konnte mich wieder auf das wesentliche konzentrieren. Arbeiten! Genau 26 Tage nach der Operation saß ich wieder am Schreibtisch und war überrascht wie gut das Sitzen ohne Sitzring dann doch klappte. Doch was einem niemand sagt, das Sitzen ist nicht das Problem. Als ich nach 8 Stunden arbeit aufstehen wollte hatte ich mehr Schmerzen als die letzten Wochen vorher.

Aua!! Es zog, brannte und tat verdammt nochmal weh. Schmerzmittel?!? Nein, ich hab noch nie was von Medikamenten gehalten und außerdem war ich bei sowas wie Schmerzen schon immer wie so ein kleines bockiges Mädchen „ich will aber, dass das geht“. Und in diesem Fall wollte ich einfach, dass es so geht wie vorher. Fand mein Körper natürlich nicht und so lag ich dann abends teilweise von Schmerzen geplagt auf dem Sofa. Wer schön sein will muss leiden.

Vielleicht habe ich mir auch einfach viel zu viel zu gemutet. Und vielleicht hätte ich nicht gleich am 27 Tag nach der Operation mein Tattoo fertig stechen lassen sollen. Aber mir was es zu riskant, dass der Gast-Tättowierer dann weg gewesen wäre und ich mein Tattoo nicht beendet bekommen hätte. So viel zum Thema „ich will aber“.

Was allerdings, besonders am Anfang nach dem Krankenhaus, nervig war – waren die plötzlichen stechenden Schmerz-Attacken aus dem Nichts. Und wie es so ist, kamen die eben meist völlig unerwartet und in den unpassendsten Momenten. So musste ich meine Partnerin häufiger beim Einkaufen weiterschicken, weil ich einfach nicht mehr konnte. Mich krampfhaft am Einkaufswagen festhalten musste und hoffte dass der Schmerz schnell vorbei war. Was er dann auch zum Glück meist war.

Nachdem fünften Tag zu Hause bekam überraschend einen Hautausschlag. Dieser war zu erst nur sehr klein und nur an den Oberschenkeln. Doch innerhalb von zwei bis drei Tagen hatte sich eine Nesselsucht entwickelt, die sich über den kompletten Körper  (bis auf Hände und Gesicht) ausgebreitet hatte.  An dieser Stelle dachte ich, dass mein Körper von der Operation völlig aus dem Gleichgewicht ist und das nun die Quittung dafür ist. Die Übeltäter waren allerdings Iruxol und Furacin. Ich hatte tatsächlich eine heftige allergische Reaktion auf die beiden Medikamente bekommen, die ich zum Bougieren verwenden sollte. Dank der Hilfe und dem Tipp von einer Freundin – die ich im Krankenhaus kennengelernt habe – bin ich dann auf die Vagisan Feuchtcremé gewechselt. Was für eine Erleichterung, als die Pusteln wieder zurückgingen und meine Haut bald wieder „normal“ wurde.

Der nächste Schock kam dann ein paar Wochen später, als mir meine Hausärztin verweigerte das Rezept für das Folge-Medikament zum Bougieren (Ovestin/Oekolp) aufzuschreiben. Die Krankenkasse würde das nicht zahlen und ich solle doch bitte schön zum Frauenarzt gehen. So weit so gut. Habt Ihr schon mal versucht einen Frauenarzt-Termin als Neu-Patientin zu bekommen? Ich kann Euch sagen, dass ist alles andere als leicht – besonders in dieser Kleinstadt.

Ein Glück, dass ich wusste was so grob auf mich zu kommt. Schließlich hatte ich es bereits ein paar Monate vorher schon mal ohne Erfolg probiert. Zitat: „Menschen wie sie behandeln wir hier nicht“.  Daher lies ich grundsätzlich den Vermerk über meine Vergangenheit und warum ich einen Termin brauche weg. Und siehe da, so bekam ich nach knapp zehn Telefonaten und neun frustrierenden Absagen einen Termin für die folgende Woche. Man muss halt nur hartnäckig sein und nicht aufgeben.

Übrigens stellte sich der Frauenarzt beim Termin als ein totaler Glücksfall für mich heraus. Ich habe noch nie einen Arzt gesehen, der so von der Materie begeistert war wie dieser. Er wollte unbedingt alles wissen – Welcher Arzt, Wann, Wie, Wo … aber auf den Stuhl musste ich noch nicht. „Ich will Sie lieber noch ein wenig schonen. Außerdem sind sie ja morgen schon zur Kontrolle in München“. Mit diesen Worten und dem Rezept ging ich glücklich und zufrieden aus der Praxis. Ich habe einen Frauenarzt!!

Zur Kontrolle nach München

Nach etwas mehr als sechs Wochen nach der Geschlechtsangleichenden Operation stand der reguläre Termin zur Kontrolle in München an. Was hatte ich mir im Vorfeld bloß wieder alles für Gedanken gemacht: „Schaff ich die 2 Stunden Fahrt mit der Bahn körperlich?“, „Wird es von den Schmerzen gehen?“, „Hab ich mir auch alle Fragen notiert?“, usw.  Irgendwie schaffe ich es einfach nicht meinen Kopf in solchen Dingen abzuschalten.

Doch wenn es drauf ankommt vergesse ich meistens die Hälfte wieder. Dafür lief der Termin – bis auf die lange Wartzeit – allerdings ganz gut. Dr. Schaff nahm sich, wie schon im Vorgespräch, genügend und geduldig Zeit für mich. Hörte sich alle meine Fragen (dir mir einfielen) an, aber stellte mir genauso seine: „Hm, es ist ja noch recht geschwollen, aber soweit gut verheilt“, „Klappt das Bougieren“, „Hatten sie schon sex?“

Sex? Wie bitte !? Ich bin doch erst sechs Wochen operiert. An sowas hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht mal im Traum gedacht. Außerdem bin ich mit einer Frau zusammen. Also dürfte es schwer werden mit einem Mann Geschlechtsverkehr zu haben. Naja, meine Antwort dass ich keinen Sex hatte quittierte er mit der Aussage, dass es schon wichtig wäre zu wissen ob normaler GV möglich ist oder ob der „Bulbus“ nicht dann doch evtl. zu sehr anschwillt. Ich war so sprachlos, dass ich nur noch antworten konnte „Ich werde sehen was ich machen kann“. Aber ehrlich? Ich hab kein Plan wie.

„Hatten sie schon einen Orgasmus?“ – Öhm!? Mein Kopf wurde knallrot. Doch ich beantworte wahrheitsgemäß, dass das soweit funktioniert und es sich wesentlich besser und intensiver anfühlt als jemals zu vor. Aber ein wenig peinlich war mir das schon. Schließlich bespricht man sowas nicht jedem Tag mit einem Arzt. Ach ja und neben bei schaute er sich natürlich auch noch mein Vagina gründlich an. Drückte hier und zog ein klein wenig dort. Alles um sich ein Bild zu machen, was bei der zweiten Operation noch alles zu machen ist. Dog Ears müssen optisch verschönert werden, die Schamlippen etwas korrigiert werden, die ganze Scheide unter der Harnröhre etwas abgeflacht werden und ggf. der Bulbus etwas verkleinert werden.

So viel hab ich zumindest noch mitbekommen. Schließlich war ich durch die Fragen noch recht durcheinander. Als der Termin dann schon fast rum war, fiel mir wieder ein, dass ich ihn noch wegen dem Brustaufbau ansprechen wollte. Was ich dann natürlich auch getan habe. Das Ende vom Lied war dann eine ausgiebige Fotosession von mir und das Probetragen von verschiedenen Implantatgrößen, so dass wir uns einig wurden dass es zwischen 375g und 400g pro Seite werden sollen.

Das erste Mal in meinem Leben werde ich dann gerne an Gewicht zunehmen. Vorausgesetzt der Attest aus München kommt bald und die Krankenkasse gibt ihr okay, dann kann ich meinen Brustaufbau bei der Korrektur OP gleich mit machen lassen. Es wäre so traumhaft toll. Denn ehrlich zu sein das ist aktuell das Einzige was mir jetzt noch zu schaffen macht, dass ich nicht mal auf AAA Körbchen komme. Es wird schon alles gut gehen.

Erstes Untersuchung beim Frauenarzt

Es ist passiert! Bei meinem zweiten Termin beim Frauenarzt durfte/musste ich auf den ominösen und allseits bekannten und beliebten Gyn-Stuhl. Der Arzt wollte wohl endlich seine Neugier stillen und einen Blick auf die Vagina werfen. Etwas mulmig war mir ja schon. Wie hätte ich reagier, wenn er es gesehen hätte und gleich die Hände über den Kopf zusammengeschlagen hätte: „Oh, mein Gott wie furchtbar“.

Aber dem war überhaupt nicht der Fall. Eher kam ein „Oh, ah, das ist ja toll“. Das Leuchten in seinen Augen sprach Bände oder ließ zumindest erahnen, dass er von dem Operationsergebnis sehr angetan ist. „Wer war nochmal der Operateur?“ – Bereitwillig sagte ich es ihm noch mal und dann kam die Aussage, mit der ich am allerwenigsten gerechnet hatte – vielleicht auch, weil ich optisch mit dem aktuellen Stand nicht ganz zufrieden bin. „Ich ziehe meinem Hut vor dem Kollegen. So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Es muss ihn wohl völlig von den Socken gehauen haben. Was dafür spricht, dass es dann wohl doch näher am Original ist als ich es mir gerade eingestehe. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie ich mich gefreut habe, dass soweit alles in Ordnung ist und dass es wohl optisch völlig Okay ist. Auf jeden Fall meinte der Arzt ich soll dem Operateur, wenn ich ihn wieder sehe, seinen tiefsten Respekt aussprechen.. Wort wörtlich: „Er zieht seinen Hut“.

Das geht doch runter wie Öl und macht mir Hoffnung, dass nach der Korrektur Operation meine Vagina so ist, dass ich vollständig glücklich mit ihr sein kann. Übrigens hatte ich dem Arzt auch noch Angeboten, dass er einen Blick hinein werfen hätte können, aber dass wollte er dann wohl doch nicht oder aber hat sich das für den nächsten Termin in der nächsten Woche aufgehoben.

Ich bin da wohl jetzt ein Stammgast. Wie dem auch sei, es ist nie verkehrt einen interessierten und aufgeschlossenen Arzt zu haben. Gerade weil er mir so auch eine Testpackung Vaginalcreme zugesteckt hat, so dass ich kein weiteres Rezept einlösen musste. Ich glaub mit dem Arzt hab ich einen echten Glücksgriff gemacht.  Bleibt nur die Spannung, was er sagt wenn er das erste mal in mich hinein schauen kann. Nun bin ich die die Neugier ist.

Die tägliche Routine

Was allerdings mittlerweile nach knapp drei Monaten allerdings nervt, ist das 3 mal tägliche Bougieren und das dauerhafte Tragen von dem Platzhalter. Nicht nur das ich ihn bei jeder Bewegung spüre und sich damit alles noch geschwollener anfühlt als eh schon. Nein, dieser Platzhalter hat die doofe Angewohnheit immer dann raus zu rutschen, wenn es mir am wenigsten passt. Okay, meistens bleibt er an Ort und Stelle.

Nur hat Frau auch so tägliche Bedürfnisse – salopp gesagt ich muss auch mal wohin – und dort zieht es diesen Platzhalter (Ein mit Kompressen gefühltes Kondom) immer magisch nach draußen. In den Urinstrahl möchte ich dann auch nicht greifen und so flutscht er so manchmal dort hin, wo ich ihn ganz sicher nicht haben will. Ich mach wirklich drei Kreuze, wenn ich den nicht mehr dauerhaft benutzen muss. Zu mal, ich jedes mal dann mir einen neuen Platzhalter machen muss, den ich dann einführen darf. Unterwegs natürlich ein NoGo.. Ach ja und absolut unsexy und nicht Lady like.

Das Bougieren selbst ist okay. Zu mal es sich auf nur 3 mal täglich für 15 Minuten mit dem größten Stent (Durchmesser 4,5 cm und länge 22 cm) beläuft. Ein Zeitfaktor mit dem ich durchaus leben kann. Allerdings ist es alles andere als erotisch oder sinnlich. Es ist einfach ein „Ich muss das machen“. Genauso wie ich alle 2-3 Tagen mit der Vaginaldusche alles reinige. Ich hoffe nur, dass wenn es mal zum Sex kommen wird, sich das alles viel schöner und intensiver anfühlen wird.

Ich halte Euch dann ggf. auf dem Laufenden .. vielleicht ..  Jetzt bin ich erstmal damit beschäftigt meinen Antrag für den Brustaufbau fertig zu bekommen und dann heißt es mal wieder Daumen drücken, dass der MdK meinem Wunsch nach einer weiblichen Oberweite nach kommt. Ich träume mittlerweile davon ., hoffentlich ein gutes Zeichen.

Liebe Grüße
Ellen