Tagebuch meiner Korrektur-OP mit Brustaufbau

3 Monate nach meiner Korrektur-OP

Hallo Ihr Lieben,

ich bin jetzt doch tatsächlich schon knapp „3 Monate nach meiner Korrektur-OP“ und habe mich seitdem eigentlich kaum noch zu Wort gemeldet. Wieso? Weshalb? Warum? – Möchte ich hier eigentlich nicht großartig erörtern. Sagen wir einfach ich habe eine kleine Auszeit gebraucht um mit mir selber klar zu kommen und die Gedanken zu sortieren. Aber zurück zum Thema. Eine liebe Leserin hatte mir gegenüber vor einiger Zeit den Wunsch geäußert, dass ich nochmal auf meinen aktuellen Genesungszustand und meine Zufriedenheit mit den OP-Ergebnissen eingehe. Was ich für eine sehr gute Idee halte, da es sicherlich viele von Euch interessieren wird und ich genau dort vielleicht noch etwas Redebedarf habe.

„Du hast Redebedarf?“ – Ja, ich glaube schon. Zumindest gibt es ein paar Dinge die ich noch nicht auf diesem Blog ausgesprochen habe und auch nochmal erwähnen möchte. Vielleicht weil es mir unangenehm war oder ich mir selbst noch nicht so klar war (und es zum Teil auch noch nicht bin), wie ich damit umgehen/verfahren soll. Aber fangen wir einfach mal an:

Kapitel I. – Der Brustaufbau

Wie oft habe ich vor dem Brustaufbau von anderen hören müssen: „Ich will keinen Fremdkörper in mir“ oder „Auch mit einem kleinen/keinem Busen bist Du eine Frau“ – und dennoch habe ich mich für diesen Schritt bewusst entschieden. Klar, ich verstehe die Argumente die mir entgegen gebracht wurden völlig und akzeptiere auch die Einstellungen. Eine OP ist eine OP und ein Implantat ist nun mal ein fremdes Objekt im eigenem Körper.

Dennoch fand ich es persönlich einfach nicht richtig und für mich unpassend mein Leben ohne eine weibliche Brust bestreiten zu müssen. Nichtmal ein AAA-Körbchen war mir durch über zwei Jahre Hormonersatztherapie (HET/HRT) vergönnt gewesen. Umso mehr freute ich mich als ich nach der OP aufwachte und zu meinem erstaunen feststellte, dass ich wesentlich größere Silikonkissen eingesetzt bekam.

War im Vorfeld mit dem Arzt noch ein B-Körbchen geplant – so hatte ich auf einmal ein ansehnliches C auf das ich auch heute noch so richtig richtig stolz bin. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht vor dem Spiegel betrachte oder einfach nur glücklich bin. Es klingt vielleicht etwas abgegriffen – aber war die Geschlechtsangleichende Operation in erster Linie nur für mich, so war/ist der Brustaufbau auch für die Außenwirkungen und mein Selbstbewusstsein ein riesen Schub. Es ist anscheinend leider wirklich so, dass die meisten Menschen auf gewisse körperliche Punkte schauen und anhand dessen diese Person als weiblich oder männlich einstufen. Traurig aber wahr.

Aber genug von diesem Faktor und kommen wir zum Heilungsverlauf. War die Brust die ersten Wochen nach der Operation noch hart wie Beton, so ist sie mittlerweile weich und fühlt sich im Grunde nicht anders als eine normale weibliche Brust an. Ob es daran liegt, das die Implantate unter dem Brustmuskel sitzen kann ich nicht bestätigen. Allerdings hab ich schon mehrfach vergeblich versucht die Silikonimplantate zu ertasten. Und wenn ich es selber schon nicht kann, so wird es wahrscheinlich jemand fremdes auch nicht können.

Wären die beiden kleinen und leider noch gut sichtbaren dunklen Narben in den Brustfalten nicht, würde vermutlich niemand drauf kommen, dass bei der Größe etwas nachgeholfen wurde. Da ich aber davon ausgehe, dass die Narben in den nächsten Monaten noch weiter verblassen werde finde ich es aktuell nicht wirklich schlimm und mache mir deswegen keine großen Gedanken.

Anders schaut es mit der Empfindlichkeit der Brustwarzen aus. Noch immer spüre ich in der linken überhaupt nichts. Es ist wie ein schwarzes Loch was Empfindungen aufsaugt und sie verschwinden lässt. Ich sehe das sie berührt wird, aber im Gehirn kommt kein Signal an. Eigentlich beste Voraussetzungen zum Piercen. Aber nein, das brauch ich nicht nochmal 😉

Kapitel II. – Die Neo-Vagina (Funktionalität)

Weiter geht es mit der eigentlichen Geschlechtsangleichenden Operation (GaOP) also der Neo-Vagina. Anders als beim vorangegangen Brustaufbau gibt es hier im Grunde gar nicht so viel zu berichten. Schließlich wurde bei der Korrektur-OP bis auf die „Dog Ears“ nichts weiter gemacht. Oder sollte ich sagen leider nichts weiter gemacht? Mehr zur Optik dann im nächsten Punkt.

Nun aber zur Funktionalität mit der ich weiterhin unverändert zufrieden bin. Klar ich habe seit der zweiten OP etwas an Tiefe verloren, aber ganz ehrlich bei ca. 18-20 cm Tiefe kommt es auf ein paar Zentimeter mehr oder weniger auch nicht an. Außerdem sollte es jederzeit mit konsequenteren bougieren wieder erweiterbar sein. So zumindest die Aussage vom Arzt.

Ansonsten kann ich sagen, dass das „Feuchtwerden“ durch die „Kombinierte Methode“ offensichtlich wirklich und dauerhaft funktioniert. Leider teilweise zu gut, so dass ich ab und an auch mal Tage habe an denen ich regelrecht auslaufe und froh bin, wenn ich die Unterhose möglichst schnell loswerde. Ein hoch auf die Erfinder von Tampons und Slipeinlagen.

Das Wasserlassen klappt weiter unverändert gut – allerdings ist mir erst jetzt wirklich aufgefallen, dass es keinen typischen geraden Strahl gibt. Viel mehr wird dieser von einer blöden Stelle unterhalb der Harnröhre abgebremst und dann nach unten weiter geleitet. Klingt doof, stört aber im Grunde nicht weiter und wäre in meinen Augen nicht behandlungsbedürftig.

Wenn nicht genau diese Stelle – ein Überbleibsel der Komplikationen nach der ersten OP – mir auch noch andere Probleme machen würde. So steht diese eigentlich ständig unter Zug und bereitet mir hin und wieder beim Laufen heftige Schmerzen, so dass ich mittlerweile ernsthaft überlege mich nochmal unters Messer zu legen. Das es dort auch ab und an beim Bougieren blutet lasse ich mal unter dem Tisch fallen.

Dennoch bleibe ich dabei, an sich bin ich funktionell mit dem OP-Ergebnis mehr als zufrieden und würde diesen Schritt trotz Komplikationen jederzeit wieder machen. Nicht zuletzt weil ich dadurch nach so langer Zeit wirklich meine eigene Sexualität zu lassen kann. Es passt halt alles Zusammen inkl. Höhepunkte ob klitoral oder vaginal.

Kapitel III. – Die Neo-Vagina (Optik)

Kommen wir zu dem Punkt welcher mir am meisten zu schaffen macht – die Optik. Ich hatte mich ja eigentlich bewusst für die kombinierte Methode entschieden, weil ich nicht genug Ausgangsmaterial für eine „Penile Inversion“ hatte und ich unbedingt ein ansprechend Äußeres mit schönen großen und kleinen Schamlippen haben wollte.

Das die Komplikationen (Nekrosen, etc.) bei der ersten OP mir dann einen Strich durch die Rechnung machten war halt doof, aber nicht änderbar. Und lag sicherlich nicht in der Macht von irgend jemanden. Nur verlor ich dadurch leider Gewebe welches optisch für schöne Schamlippen nötig gewesen wäre. Stattdessen vernarbte es und bildete genau die Stelle zwischen Harnröhrenöffnung und Scheideneingang die mir jetzt solche Probleme bereitet und eigentlich ständig unter Spannung steht.

Meine Hoffnungen steckte ich daher alle in die Korrektur-OP und das der Arzt noch ein kleines Wunder für mich verbringt. Doch leider wurde diese Stelle überhaupt nicht operativ korrigiert und schaut genauso katastrophal aus wie vor der Korrektur. So zumindest mein persönliches Empfinden, an dem ich auch jetzt noch zu knabbern habe.

Um es Euch vielleicht ein wenig zu verdeutlichen. Stellt Euch eine Vagina vor. Diese verläuft im Normalfall von oben nach unten relativ gleichmäßig und ist links und rechts von den kleinen und großen Schamlippen umrandet. Bei mir schaut es allerdings so aus, dass die kleinen Schamlippen oben beginnen und erst mal wie zu erwarten mit der Harnröhrenöffnung in die Tiefe wandern. Doch kurz nach der Öffnung hören bei mir die kleinen Schamlippen urplötzlich auf und die Haut kommt wieder nach Vorne. Es entsteht ein Hautsteg von ca. 2-3 cm Breite und fällt dann urplötzlich danach wieder nach innen zum Scheideneingang.

Das es nicht natürlich aussieht brauch ich wohl nicht zu sagen. Was eigentlich total Schade ist, denn an sich ist alles andere toll. Man sieht keine oder nur ganz leicht überhaupt irgendwelche Narben. Die Großen Schamlippen sind gut zu erkennen. Sprich alles andere ist so, wie es sein sollte – aber so macht es mir seelisch schwer zu schaffen.

Kapitel IV. – Fazit

Wie geht es nun weiter? Auf der einen Seite bin ich absolut glücklich den Schritt der GaOP und des Brustaufbaus gemacht zu haben. Auch das ich mich für dieses Ärzteteam entschieden habe war absolut richtig. Von Daher bedauere ich es überhaupt nicht.

Auf der anderen Seite bin ich aber optisch „noch nicht“ hundertprozentig glücklich und habe Komplexe mich überhaupt wen so zu zeigen. Der Arzt fragt mich immer wieder: „Hatten Sie schon Sex?“ – ich kann und werde es wohl auf absehbarer Zeit nur mit „Nein“ beantworten können. Auch wenn er dann sagt: „Sie sollten aber“ – Es ist schwer. Schwer zu glauben, dass mich so  überhaupt jemand noch sexuell attraktiv finden könnte.

Wer weiß, vielleicht ist das alles auch nur ein großes „MimiMimi“ von mir und ich sollte mich einfach zusammen reißen. Eine dritte OP hatte ich eigentlich mal ausgeschlossen – aktuell denke ich aber ernsthaft darüber nach, nächstes Jahr das Angebot anzunehmen und nochmal für eine ambulante OP nach München zu gehen. Wer weiß was die Zukunft bringt.

Stück für Stück dem Glück ein Schritt näher. Wobei ich mal abgesehen von der blöden Stelle, so glücklich bin wie noch nie in meinem Leben. Täglich denke ich mir, wie schön es mittlerweile alles ist. Ich fühle mich nun endgültig nicht mehr völlig Fremd in meinem Körper. Das war doch das Ziel! Dazu werde ich aber sicherlich noch zum Jahresabschluss etwas schreiben – 3 Jahre sind schon ein kleines Jubiläum.

In diesem Sinn möchte ich Euch schöne Feiertage wünschen und wir lesen uns nach Weihnachten.

Alles Liebe und viele Grüße
Ellen

4 Kommentare zu “3 Monate nach meiner Korrektur-OP

  1. Liebe Ellen, vielen Dank, dass Du Dir diese Mühe machst, uns alle zu informieren! Dir weiter guten Verlauf und einen Endzustand, wie er für Dich akzeptabel ist! Ganz liebe Grüße und schöne Weihnachtstage! Deine Maneu

  2. Hallo Ellen!
    Ich will mich auch mal zu Wort melden. Du hast fast alles HINTER Dir, ich fast alles vor mir.
    Nun zu Dir:
    Schau an Dir zur Mitte herunter. Was siehst Du? Nichts.
    Ostern; Du am Eier suchen. Was findest Du? Nichts!
    Du findest einen wunderschönen String-Tanga. Was stört? Nichts.
    Du findest einen schönen BH. Füllst Du ihn ohne „Beiwerk“ aus? JA.
    Ein toller Badeanzug. Eine Beule im unteren Bereich? NEIN!!
    Ein superschöner, transparenter Body. Wie sieht er an Dir aus? Supertoll.
    Wie viele verschiedene Hängedinger gibt es? Große, kleine, dicke, dünne…
    Wie viele verschiedene Mumus gibt es??? Wahrscheinlich genauso viele.
    Du kannst ganz einfach was sein –
    Nämlich mächtig stolz sein,auf das was Du hast und bist!! Vollkommen ist niemand.
    Genieß einfach das, was Dir jetzt möglich ist. Und es ist mächtig viel, sehr viel,
    was Du vorher nicht konntest.
    So, meine Liebe, nun wünsche ich Dir von ganzen Herzen eine schöne Weihnachtszeit
    und eins noch, was Du auch nicht mehr kannst:
    Deine Weihnachtmütze an einem bestimmten Gegenstand aufhängen. Das geht nun
    nicht mehr. Und das ist gut so.
    Drück Dich ganz herzlich und noch eine kleine Anmerkung:
    Ein toller blog, den Du ins Leben gerufen hast.

    Liebe Grüße
    Stephanie

    • Hallo Stephanie, vielen herzlichen Dank für Deine Rückmeldung und die Wort denen ich nur zustimmen kann. Danke dafür. Dir natürlich auch eine schöne Weihnachtszeit. Liebe Grüße Ellen

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