Tagebuch meiner Korrektur-OP mit Brustaufbau

Korrektur-OP mit Brustaufbau (Teil 2)

Hallo Ihr Lieben,

hier kommt der nächste Teil von meinem Tagebuch zur Korrektur-OP mit Brustaufbau in der Frauenklinik des Rotkreuzklinikums München. Im ersten Teil des Tagebuches ging es noch um den recht kurzfristig und überraschend anberaumten Operationstermin, sowie den wenigen Tagen davor.  Im nun folgenden Abschnitt soll es um den Zeitraum von der Anreise bis zu den ersten Stunden nach der OP gehen. Meinen Erlebnissen, Empfindungen und wie es mir ergangen ist. So viel sei auf jeden Fall schon mal verraten – Es war bei Weitem nicht so schlimm wie ich es erwartet hatte!

Es war viel viel schlimmer! Nein, nein, Spaß bei Seite. Ich habe mich nur mal wieder extrem verrückt gemacht – typisch „ICH“ eben. Zu bleibend war eben der Eindruck meiner Bettnachbarin die damals ihren Brustaufbau hatte und unter furchtbaren Schmerzen litt. Zu oft bekam ich außerdem von anderen bestätigt wie schmerzvoll das Ganze ist. Na ja, ich will jetzt Euch nicht die ganze Spannung nehmen und wünsche Euch daher nun viel Freude beim Lesen.

Der Tag vor der Korrektur-OP

05. September 2017 – Der Koffer ist gepackt. Mein morgendlicher (Milch-)Kaffee getrunken und ich stehe ungeduldig und komplett angezogen im Hausflur. Ich scharre mit den Hufen und möchte endlich los. Doch da ich von meiner Liebsten zum Bahnhof gefahren werde, muss ich wohl oder übel auf sie warten. Ich möchte doch nur so schnell wie möglich nach München. Je eher ich dort bin, umso schneller läuft alles in Richtung Korrektur-OP und Brustaufbau.

Klar ist es utopisch. Es gibt einen mehr oder wenigen Zeitplan und an dem kann ich auch nicht rütteln. Es zeigt mir nur gerade wie sehr ich mich auf diese zweite Operation gefreut habe. Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir endlich zum Bahnhof in Ansbach. Die Verabschiedung fällt diesmal für meine Verhältnisse wirklich kurz aus. Ein Kuss an meine Frau und ein Tschüss an meine Tochter und schon laufe ich geschwind zur S-Bahn. Die Reise beginnt. Wenn alles gut geht, bin ich in einer Woche wieder da.

Die S-Bahn setzt sich langsam ruckelnd in Bewegung. Ich sehe das Auto mit meinen Liebsten in der Ferne verschwinden. Ein Glück das Schulferien sind, so kann ich mich meiner Traurigkeit hingeben ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob jemand die Tränen in meinen Augen bemerkt. Doch bin ich auch froh. Froh zu wissen, dass es nun endlich los geht und ich den „halbfertigen“ Zustand bald verlassen werde.

Ich bekomme eine weibliche Brust!! Nach über 2 Jahren Hormontherapie und vielen Wochen / Monaten des vergeblichen Hoffens soll es soweit sein. Über pünktlich erreicht die S-Bahn Nürnberg und ich bin mal wieder viel zu früh. Der ICE fährt erst in einer Stunde – also geistere ich durch den morgendlich gut gefüllten Hauptbahnhof und schau in die noch zum Teil geschlossenen Läden. Wie wird wohl meine neue Bettnachbarin, wenn ich überhaupt eine bekomme? Ich kaufe mir eine Cola im Lidl und laufe zum Gleis… Auf nach München!

Der Zug ist wie schon bei der ersten Fahrt im März über voll und ich bin glücklich, dass ich diesmal reserviert habe. Nochmal eine Stunde auf dem Boden sitzen muss ich nicht haben. Meine Gedanken kreisen wie wild durcheinander und ich bin froh, als der Zug endlich in der bayrischen Landeshauptstadt eintrifft. So zerstreut war ich schon lange nicht mehr. Ein Glück, dass ich den Weg in die Praxis schon kenne und so stehe ich ziemlich schnell vor der Praxistür.

Ich trete ein und ohne das ich mich vorgestellt habe werde ich von der Empfangsdame mit den Worten: „Guten Morgen Frau Herbes“ begrüsst. „Hä!? Woher haben sie jetzt gewusst wer ich bin?“ – frage ich sie. Ihr Antwort: „Tja, es gibt Gesichter die wir uns merken!“ sorgt bei mir noch für mehr Verwirrung. Aber gut, dafür bin ich ja nicht hier. Nach einem kurzen Gespräch gehe ich ins Wartezimmer und verbringe die Wartezeit mit einem Kaffee. Wobei die Wartezeit hat es in sich. Dr. Schaff ist mitten in einer Operation und ich muss mich gedulden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit (knapp 2 Stunden) ist es dann soweit und ich darf ins Sprechzimmer zu Dr. Schaff zum Aufklärungsgespräch. Wie schon im März fällt dieses recht kurz aus. Wir besprechen mehr oder weniger nur die möglichen Komplikationen und was genau gemacht werden soll. Wen wundert es, dass ich jetzt eine halbe Stunde später schon in der U-Bahn Richtung Frauenklinik sitze und irgendwie das Gefühl habe, als ob ich nur eine stille Beobachterin von allem wäre.

Oder ist es schon Routine? Das kann es doch nicht sein, ich mach dass hier doch erst zum zweiten Mal! Ich melde mich wie verständlich im Krankenhaus an. Lass mir eine Telefonkarte für das Zimmer geben. Lade diese auf und fahr zur Station hoch. Ich habe gerade das Gefühl, als sei ich nie weg gewesen. Ich sehe den Gang den ich nach der ersten Operation täglich mehrer Stunden auf und ab gelaufen bin. Irgendwie fühlt es sich wie ein Stück Heimat an. Unverständlich ich weiß, aber es ist so. Lustig wird es, als ich bemerke welche Schwester gerade Dienst hat.

Deja Vu – Genau diese Schwester hat mich auch das erste Mal in Emfpang genommen. Womit wir beide dann natürlich gleich unseren Spaß haben. Zitat von Ihr: „Ach Du bist es, ich wusste doch, dass mit der Name etwas sagt“. Schön, wenn man das Gefühl hat, das man bei einigen lieben Menschen doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Auf jeden Fall macht das Ausfüllen der Unterlagen so Spaß. Was allerdings noch viel toller ist. Ich brauche nicht abführen!!

Noch ungläubig von so viel Glück wurde ich auf mein Zimmer für die nächsten Tage gebracht. Hey, es ist schon jemand da.  Ich habe eine Zimmernachbarin für die nächsten Tage *freu*. Sie hat ihre erste Geschlechtsangleichende Operation Morgen und scheint wirklich sehr sehr nett zu sein. Es hätte mich auch ganz anders treffen können, aber so bin ich ganz glücklich. Ich hoffe nur, dass ich ihr etwas von ihrer Nervosität nehmen kann. Vor knapp einem halben Jahr war ich an ihrer Stelle und wusste nicht was mich erwartet.

Und jetzt? Jetzt bin ich glücklich – fast kaum nervös – einfach nur glücklich die Operation damals gemacht zu haben und nun bald am Ende einer langen Reise zu sein. Morgen früh um 8.00 Uhr ist meine Operation. Ich bin die Erste auf dem OP-Plan. Hoffentlich geht alles gut. Müde von einem langen Tag und einem noch viel längerem Plausch mit meiner Nachbarin schlafe ich mit den wunderschönen Krankenhaus-Strümpfen an meiner Seite ein.

Der Tag der Korrektur-OP ist da

06. September 2017 – Pünktlich bevor die Schwester aus der Frühschicht das Zimmer betritt bin ich schon wieder wach. Aber nicht nur ich – auch meine Nachbarin sitzt putzmunter nebenan im Bett und wartet auf die Dinge die da kommen mögen. Ich bin da klar im Vorteil. Wir wünschen uns einen guten Morgen und ich nutze meine Chance ein aller letztes Mal vor der OP zu duschen. Der große Augenblick der Operation rückt nun endgültig immer näher, doch irgendein Gefühl von Aufregung stellt sich einfach nicht ein. Es scheint so, als ob ich einfach nur noch funktioniere und mein Pflichtprogramm abspule.

Ich schlüpfe in das wunderschöne hinten offende OP-Flügelhemd und beginne mir die Thrombosestrümpfe anzuziehen, als die Tür geöffnet wird und das morgendliche Programm für die OP-Vorbereitungen anläuft. Die obligatorische Beruhigungstablette nehme ich gewissenhaft und lege mich in dem Bewusstsein hin, dass diese doch sowieso nicht wirkt. Ja, da habe ich wohl falsch gedacht! Ich hätte wohl der Anästhesistin nicht sagen sollen, dass diese das letzte mal bei mir nicht gewirkt hat.

Beim raus fahren mit dem Bett aus dem Zimmer bin ich noch ganz da. Wünsche meiner Nachbarin noch alles Gute für Ihre OP und ab da beginnt dann alles zu verblassen. Oh der Fahrstuhl, ja den kenn ich noch. Die Tür zum OP-Vorbereitungsraum.. Aussetzer… Umbetten okay, mach ich.. wieder ein Filmriss. Oh schon im Operationssaal .. Einrasten der Liege.. Wieder Weg. „Ja, den Arm bitte so lagern“ und schnipp … ich bin Weg. Von einer Maske auf dem Gesicht, dem Setzen der Kanüle oder sonst noch was bekomme ich nichts mehr mit. Gefühlt hat das Ganze vielleicht vom Zimmer bis zum endgültigen „Ich bin dann mal weg“ knapp 15 Minuten gedauert. Ein total krasses Erlebnis und einmalig in meinem Leben.

Okay, mein Absturz mit Alkohol war ähnlich nur bin ich da danach mit gebrochener Nase total gerädert in einer Ausnüchterungszelle aufgewacht. Dies mal war es zum Glück anders. Ich wachte in einem kleinem Zimmer neben dem großen leeren Aufwachraum auf. Fühlte mich überraschenderweise richtig gut und war ziemlich schnell wieder wach. Voller Schmerzmittel bekam ich auch noch nicht so viel von dem mit, was mich später noch erwartete.

Auf jeden Fall ging es diesmal relativ schnell und ohne ein stundenlanges Warten wieder auf das noch leere Zimmer. Meine Nachbarin war noch im OP und so konnte ich die ersten Minuten nutzen um mich langsam wieder zu orientieren. Füße ? Da.. Unten ? auch alles in Ordnung. Brust? Oh mein Gott… so groß und so eingepackt ? Überall war Tape… gerade noch die Brustwarzen schauten raus. „Ich bin mein eigenes Weihnachtsgeschenk“ dache ich mir, kurz bevor eine Schwester das Zimmer betrat mich fragte welche Unterbrustweite ich habe und meinen Implantatsausweis neben das Bett lag.

Ihr wisst gar nicht wie schwer es ist ein Kärtchen vom Nachtisch neben sich auf Kopfhöhe zu greifen, wenn man sich nicht richtig bewegen kann. Wie ein hilfloses Baby griff ich danach, schob leicht am Nachtschrank und tatsächlich endlich hielt ich den Ausweis in der Hand. 470 g ? WTF!! Im Vorgespräch hatten wir uns doch auf 375 g maximal 400 g pro Seite geeinigt und nun das? Schock schwere Not. Was ist passiert, was habe ich verpasst ?

Kurz nach dem Schock kam die Schwester mit der Orthopädin und dem Kompressions-BH wieder. „Frau Herbes, richten sie sich bitte auf die Bettkante auf. Sie müssen den Kompressions-BH anziehen ?!“ – Ja, fragt nicht! Allein hätte ich es nie im Leben geschafft! Doch kaum saß ich Senkrecht und hatte den BH halbwegs an merkte ich, wie mein Kreislauf seinen Dienst quittieren wollte.. Alles drehte sich .. auch mein Magen. Die Zimmertür ging auf und oh Schreck! Visite! Wenn alles zusammen kommt dann jetzt! Dr. Schaff stand mit dem kompletten Ärzteteam im Zimmer. Mir war kreuz schlecht und er grinste über beide Ohren und erzählte mir voll stolz, dass er größere Implantate für mich gewählt hat, da er fand dass es besser aussieht.

Ich hätte mich ja gefreut – wenn ich gekonnt hätte. Freundlich grinsend mit dem Spuckbeutel  in der Hand versuchte ich Dr. Schaff zu signalisieren dass ich es nicht mehr lange aushalten kann. Er verstand meine Geste offensichtlich und ging grinsend schelmisch aus dem Zimmer. Keine 10 Sekunden später war es dann zu spät. Gerade noch rechtzeitig!!! Was wäre mir das peinlich gewesen vor den Ärzten. Die Schwester lachte nur herzhaft und ich legte mich mit ihrer Hilfe und dem frisch angezogenen BH wieder hin. Was für eine Erleichterung und was für ein Trip.

Meine Bettnachbarin kam übrigens nach ca. einer Stunde nach dieser Kreislauf-Kotzübel-Aktion zurück auf das Zimmer. Ein Glück, dass sie das nicht mitbekommen hat. Aber wir waren beide auch so am Ende unserer Kräfte, so dass sich wohl kaum jemand von uns dabei beim anderen gestört hätte. Wie dem auch sei, mit jeder Stunde die verging merkte ich, wie die Schmerzmittel  nach ließen und ich mich immer weniger bewegen konnte. Am Abend war es dann so, dass ich wie eine Schildkröte auf dem Rücken im Bett lag und mich gar nicht bewegen konnte.  Dabei waren die Schmerzen gar nicht so schlimm wie ich es erwartet hatte.. Sie waren dennoch einfach nur furchtbar unangenehm. Entsprechend unruhig verlief für mich meine erste Nacht nach der Operation. Dennoch war ich über glücklich es geschafft zu haben. Der Blick nach unten entschädigte schon jetzt für alles….

Ihr wollt wissen wie es weiter geht? Dann freut Euch schon jetzt auf den nächsten Teil von meinem Tagebuch der Korrektur-OP.

Liebe Grüße
Ellen

p.s. Sorry das die letzten Absätze evtl. ziemlich konfus geworden sind.. der Tag war eindeutig zu lang.

2 Kommentare zu “Korrektur-OP mit Brustaufbau (Teil 2)

  1. Liebe Ellen, erst mal: Glückwunsch, dass Du es geschafft hast! Und dann noch was: Du schreibst richtig spannend! Klasse! Bin auf Deinen nächsten Beitrag gespannt! Uns nicht zu lange auf die Folter spannen!
    Viele liebe Grüße! Deine Maneu

    • Hallo liebe Manu, vielen vielen Dank für Deine Glückwünsche. Es schön zu sehen, dass sich auch andere mit mir freuen. <3 Wenn alles nach Plan läuft, dürfte der nächste Tagebuchbeitrag am Freitag kommen. Allerdings befürchte ich, dass es nicht mehr ganz so spannend wird. Aber lass Dich einfach überraschen 😉 LG Ellen

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