Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation

Tagebuch meiner Geschlechts-angleichenden Operation – Teil 1

Hallo Ihr Lieben,

etwas länger als gewohnt war es auf diesem Blog sehr ruhig. Möglicherweise für einige sogar zu ruhig? Ich hoffe doch nicht und Ihr seid noch dabei? Vielleicht lest ihr meine Beiträge/Berichte weiterhin mit Begeisterung oder zumindest mit Interesse! Es würde mich auf jeden Fall ganz arg freuen, wenn es so wäre.

Aber nun wirklich zurück zum Thema. Wie sich viele von Euch bei dem Titel  „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation – Teil 1“ denken können, gab es vor Kurzem ein einschneidendes Erlebnis welches meinen Alltag (bzw. mein Leben) ziemlich durcheinander gewürfelt hat. Vor allem hatte ich nicht damit gerechnet, dass es dann doch so schnell gehen würde. Sommer 2019 schien halt noch so fern. Unverhofft kommt halt dann eben doch oft!

Jetzt hab ich Euch aber genug auf die Folter gespannt. Es wird Zeit mein Tagebuch über meine GaOP zu öffnen und Euch dadurch einen Einblick zu geben, was so die letzten Wochen bei mir los war. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen des ersten Teils.

 

Der Anruf aus München

Dienstag 9.00 Uhr – ein Arbeitstag wie jeder andere auch. Ich sitze schon seit kurz vor acht wieder in meinem Büro und sondiere die Lage. Trinke meinen Kaffee und habe die ersten wichtigen Dinge des Tages bereits erledigt, als das Telefon unerwartet klingelt.

Eine Nummer aus München erscheint auf dem Display. Verwundert hebe ich den Hörer ab und melde mich wie immer freundlich am Telefon. Auf der anderen Seite meldet sich eine Dame mit den Worten „Praxis Dr. Schaff und Dr. Morath aus München – Guten Morgen Frau Herbes.“

Mein Kopf kommt gar nicht so schnell mit, als mir die nette Dame bereits erklärt, dass unerwartet ein Termin für die Geschlechtsangleichende Operation in zwei Wochen frei geworden ist und ich die Möglichkeit hätte diesen wahrzunehmen. Mein Herz rutscht eine Etage tiefer. Sollte es denn wirklich schon soweit sein? Stotternd vereinbare ich mit ihr, dass ich den Termin gerne nehmen würde. Ich aber kurz ein paar Dinge klären muss und mich in 15 Minuten nochmal bei ihr melden werde.

Sie ist einverstanden und ich lege den Hörer auf. Erst jetzt wird mir bewusst, was das gerade für ein Anruf war! Voll Freude aber auch sichtlich irritiert frage ich meine Partnerin, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn ich in zwei Wochen ins Krankenhaus gehe. Mit den Worten, dass ich doof wäre, wenn ich den Termin nicht wahrnehmen würde, gibt sie mir grünes Licht.

Mit dieser positiven Rückmeldung von meiner Frau im Rücken rief ich schnell noch einen größeren Kunden an. Denn dummerweise war genau zu der Zeit der Operation ein Großprojekt geplant, was nun erstmal verschoben werden musste. Der Kunde signalisierte aber gleich sein Okay und so konnte ich noch vor den 15 Minuten wieder in München anrufen und den Termin fixieren. Was für ein Wahnsinn!! Eben war noch alles soweit weg und nun? Nun ist es schon in ein paar Tage soweit. An Arbeit war dann heute eh nicht mehr zu denken, so hat es mich durcheinander gebracht.

Noch dreizehn Tage bis zum Krankenhaus

Die Nacht verlief, trotz der außergewöhnlichen tollen Nachricht von Gestern, viel viel besser als gedacht. Ich bin sogar richtig erholt. Doch stellt mich die Sachlage nun vor ganz anderen Herausforderungen. Ich war doch gerade erst dabei meinen Hausarzt zu wechseln und habe noch gar keinen neuen! Spitze! Ich kann es eben.

Aber was bleibt mir also anderes übrig. Ich falle bei der „potentiellen“ neuen Hausärztin mit der Tür ins Haus und rufe gleich für eine OP-Vorbereitung (sprich Blutbild, EKG, etc.) dort an. Keine Ahnung was sich die Arzthelferin dabei gedacht hat. Ich hab auf jeden Fall einen Termin für die nächste Woche Mittwoch bekommen. Einen Vorteil hat es, dass alles so knapp auf Fall ist. Man kann sich keine großen Gedanken machen, sondern schaut nur noch, dass man schnell alles zusammen bekommt.

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass ich mir die meisten Dinge meiner Krankenhaus-Packliste bei Amazon bestelle. Ich denke viel anders würde das auch gar nicht mehr zeitlich gehen. Amazon Prime sei dank. Am Nachmittag ist die Luft dann raus. Ich merke zum ersten Mal, wie viel ich noch zu erledigen habe und wie surreal das Ganze gerade für mich ist. Nur kann ich gerade nicht mehr und erhol mich den restlichen Abend auf dem Sofa. Knockout in der ersten Runde.

Nur noch sechs Tage bis zum Krankenhaus

Mit jedem Tag näher Richtung Operation liegen meine Nerven immer mehr blank. Die Nächte verlaufen mittlerweile völlig unruhig und so verwundert es mich nicht, dass an Schlaf noch kaum zu denken ist. Teilweise schleiche ich mich ins Wohnzimmer und sitze mehrere Stunden in Gedanken vertieft auf dem Sofa. Was wäre wenn! Was wäre wenn, wenn mir etwas passiert. Ich versuche mir Mut zu machen.  Es gelingt mir nur nicht immer.

Manchmal stehe ich mitten beim Einkaufen und breche unkontrolliert in Tränen aus. Eine Mischung aus Freude und Angst – und dann noch die Befürchtung, dass irgendwas bei Hausärztin mit meinem Herzen ist, dass es mir nicht möglich macht den Termin wahrzunehmen. Doch diese Sorgen sind völlig unbegründet. Okay, die Arzthelferinnen haben mir zwar bei der Blutabnahme den Arm völlig zerstochen aber das EKG ist völlig unauffällig. Wer hätte das gedacht.

In fünf Tagen bekomme ich also meine Unterlagen für das Krankenhaus – wenn denn soweit auch das Blutbild passt. Die Zeit nutze ich auf jeden Fall um die restlichen Dinge von meiner Packliste zu besorgen. Wenn ich doch nicht so nervös wäre.

Nur noch ein Tag bis zum Krankenhaus

Schlaf? Wer braucht schon Schlaf! Ich hab gehört, dass soll eine nutzlose Erfindung der Natur oder des Körpers sein? Im Ernst, ich schlafe kaum noch. Wenn dann höchsten 2-3 Stunden die Nacht. Aber der Umstand sollte zum Glück bald vorbei sein. Schließlich geht es Morgen nach München ins Krankenhaus und Übermorgen ist im Idealfall schon alles gelaufen.

Die Angst, die mich die letzten Tage begleitet hat,  ist mittlerweile völlig verflogen und ich freue mich nur noch auf das Kommende. Endlich frei. Vielleicht hat auch mein Kopf einfach nur abgeschaltet oder keine Energie mehr um sich große Gedanken zu machen. Den Koffer habe ich übrigens bereits gestern sorgfältig gepackt .. ich bin gut vorbereitet … was soll also noch schief gehen. „Positiv denken“ ist das Motto.

Am Nachmittag habe ich den vor erst letzten Termin, bei meiner neuen Hausärztin, um das EKG und die Blutwerte zu besprechen.  Alle Werte sind völlig unauffällig und einer Operation steht nichts mehr im Wege. Die Ärztin wünscht mir noch alles Gute für die Operation und schon nach zwanzig Minuten bin ich mit den nötigen Unterlagen wieder vor der Praxis. Das ging echt fix, wenn nur jeder Arztbesuch so schnell gehen würde.

Der Abend verlief dann wieder durchwachsen. Ich glaub ich weiß nicht mehr wie oft ich den Koffer ausgepackt, neu gepackt und dann endgültig alles in den größeren gestopft habe. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich immer dazu neige zu viel Kleidung etc. einzupacken ? Ich glaub das ist ein echtes Frauenproblem – Frau kann nie genug zum Anziehen dabei haben. Auf jeden Fall irgendwann hab ich aufgegeben und mich damit begnügt was ich bereits eingepackt hatte.

Der letzte Abend mit der Familie ist schon etwas besonderes. Irgendwie ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite die Operation und die damit verbundene Hoffnung endlich den „Störfaktor“ Nummer eins los zu sein. Auf der anderen Seite möchte man seine Liebsten einfach nicht verlassen. Wie dem auch sei, es war für mich ein sehr emotionaler Abend und ich denke für meine Partnerin war es auch nicht viel anders. In solchen Momenten merkt man einfach wie sehr man eine Person liebt. Was würde ich nur ohne sie machen. Sie ist halt ein Teil von mir geworden – vermutlich sogar die bessere Hälfte.

Die Zeit verrinnt viel zu schnell und so war es auch mit diesem Abend. Morgen um kurz nach fünf klingelt der Wecker und um kurz nach sieben fährt mein Zug in Richtung München. Eine Reise ins Ungewisse, eine Reise ins Glück? Hoffentlich aber eine Reise in die Freiheit.. Ich werde es sehen! Bald! Sehr bald! Ich freue mich.

Weiter geht es demnächst im zweiten Teil mit der Anreise. Also schaut bald wieder vorbei. 😉

Liebe Grüße
Ellen

4 Kommentare zu “Tagebuch meiner Geschlechts-angleichenden Operation – Teil 1

  1. Ich les noch mit und hab mich die Tage schon gefragt, wann wieder was kommt … kann ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sein, wenn nix los ist im Blog … danke fürs Update und vor allem für Deine Offenheit bei diesem sensiblen Thema 🙂

    • In dem Fall war es wohl ein gutes Zeichen – auf jeden Fall für mich. 😉 Aber ich denke, dass auch jeder dafür Verständnis hat, dass ich keine Lust hatte aus dem Krankenhaus heraus zu bloggen. Ganz ehrlich da hatte ich ganz andere Sorgen.

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