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eute ist mein Geburtstag. Nun gut, nicht mein richtiger Geburtstag. Aber trotzdem ist dieser besondere Tag ganz ganz nah dran einer für mich zu sein. Warum? Heute ist meine GaOP (Geschlechtsangleichenden Operation) genau ein Jahr her. Dem großen Schritt, dem ich so lange, so sehnlich entgegengefiebert habe und der für mich früher einmal so unerreichbar erschien, dass ich es nicht mal zu träumen wagte.

Doch jetzt liegt es schon ein Jahr zurück. Krass, wie die Zeit vergeht. Der Alltag hat mich längst wieder und die Erinnerungen an das „falsche“ Genital vor der OP sind zum Glück verblasst. Was bleibt sind andere schönere Erinnerungen. Zum Beispiel der Moment im Aufwachraum, als ich vorsichtig mit der Hand nach unten griff und dort nur noch der Verband zu spüren war. Glücksgefühle durchflossen mich damals.

Und selbst heute – ein Jahr nach der Operation – freue ich mich endlich frei zu sein. Frei von einer Last die mich, rückblickend in meinem Leben immer gestört, belastet hat und die ich so manches mal verflucht habe. Schnee von gestern.

Das letzte Jahr war geprägt von Veränderungen. Ich blicke in den Spiegel und sehe, bis auf ein paar Ausnahmen, eine schöne Frau vor mir. Seltener war ich in meinem Leben so sehr bei mir wie ich es jetzt bin. Niemand sieht wie es unter meiner Kleidung aussieht – mein Selbstbewusstsein weiß es dafür umso mehr. „Wie ein Phönix aus der Asche“

Ich bin angekommen.

Wie geht es weiter – Ein Jahr nach der GaOP

Doch wie jeder, der meinen Blog verfolgt, weiß gab es nach der großen ersten Operation Komplikationen. Was für mich bedeutet, dass mich das Thema GaOP leider noch nicht ganz los lässt. In einer Woche bin ich erneut für ein Beratungsgespräch beim Operateur in München. Ich werde ihm meine Probleme mit den Schmerzen, den Blutungen und der Optik vortragen und hoffe, dass ich ihn überzeugen kann eine weiteren Korrektur zuzustimmen.

Es wird es mit ziemlicher Sicherheit tun. Er muss. Zumindest setze ich alle Hoffnung auf diesen Termin. Drückt mir die Daumen, dass alles gut läuft. Ich möchte halt irgendwann einfach keine Probleme haben und mich nicht rechtfertigen müssen, wenn jemand mir mal zwischen die Beine schaut. Was zum Glück, bis auf die regelmäßigen Frauenarzttermine, nicht so oft passiert.

Meiner erster Geburtstag – Happy Birthday

Genug der Traurigkeit. Es ist mein erster Geburtstag – mein Jahrestag! Das sollte doch ein Tag der Freude und nicht von Trübsal geprägt sein. Ich habe mir vorgenommen diesen Tag für mich zu zelebrieren. Mir etwas Exklusives zu gönnen und ihn dadurch jedes Jahr zu etwas Besonderem zu machen. Schließlich war es der Tag vor einem Jahr für mich auch. Mal sehen was mir heute einfällt? Schenke ich mir Blumen? Gehe ich mit meiner Liebsten shoppen oder gehe ich mal ins Schwimmbad? Ein Besuch beim Frisör? Essen gehen? Ich lasse mir irgendwas Tolles einfallen. Es wird großartig, so wie der Tag und ich eben sind. Heute habe ich mich gern. Heute lass ich es mir gut gehen.

Übrigens habe ich damit schon letztes Wochenende mit angefangen. Ich habe mir die Haare frisch gefärbt und mich am Samstag endlich getraut. Ich war in einem Nagelstudio und habe mir meine ersten künstlichen Gelnägel machen lassen. Ich war es eben leid, dass mir die Nägel ständig abgebrochen sind oder noch viel schlimmer. Kein Nagellack hat bei mir länger als 24 Stunden gehalten. Wie dem auch sei. Es gefällt mir richtig gut und ich werde es wohl ab jetzt auch häufiger machen. Ein Jahr nach der GaOP – das Leben war nie schöner.

Alles Liebe – eine glückliche
Ellen

Gelnägel - French