Ellens Blog

2 Jahre Hormonersatztherapie – Was hat sich getan?

Hallo Ihr Lieben,

heute vor genau 2 Jahren habe ich meine Hormonersatztherapie (HET/HRT) begonnen. Und ich denke es wird Zeit ein kleines Résumé für mich aus den letzten 24 Monaten und meiner persönlichen körperlichen und seelischen Veränderung zu ziehen. Schließlich hat sich doch bei mir so einiges getan – oder!? Viel hat sich verändert. Viel ist schlicht und einfach so viel besser geworden, als dass es sich wirklich in Worte zu fassen wäre. Ich werde es mit diesem Beitrag dennoch einmal versuchen.

2 Jahre Hormonersatztherapie – Ich erinnere mich immer noch sehr lebhaft daran, wie ich ungeduldig mein erstes Päckchen Sisare Gel aufriss. Mühevoll das Gel auf den Unterarm verteilte und es dann genussvoll einmassierte. Wie eine Abhängige, die sehnsüchtig auf den ersten Schuss wartete. Wäre es doch nur ein Zaubermittel gewesen und es hätte einfach ein paar Sekunden später *plop* gemacht und mein Körper wäre durch und durch perfekt weiblich gewesen. Leider war und ist dem nicht so. Eine Hormonersatztherapie gleicht viel mehr einer riesen großen bunten Wundertüte – Man weiß nie was man bekommt! Körperliche Veränderungen dauern eben seine Zeit und erfordern viel Geduld. Gerade vom letzteren habe ich aber irgendwie chronisch zu wenig. Und so wünschte ich mir nichts sehnlicher als Brustschmerzen vom Wachstum herbei. Nur um zu spüren dass sich, endlich nach all den Jahren, etwas  tut.

Eine Hoffnung die ich schnell begraben konnte. Denn selbst jetzt nach so langer Einnahme von Hormonen hat sich in dieser Richtung nichts aber auch wirklich nichts getan. Und nach diesen zwei Jahren ohne Brustschmerzen kann ich nur sagen: „I don’t give a fuck.“ – Es ist mir mittlerweile sowas von egal, denn dieses fixiert sein auf Burstwachstum hat dazu geführt, dass ich die wirklich wichtigen Veränderungen, wenn überhaupt, nur am Rande mitbekommen habe.

Da wäre zum Beispiel die Körperfettverteilung – nicht zuletzt wegen dem schleichenden negativem Effekt der Gewichtszunahme (+10 kg) – hat mein Oberkörper mittlerweile die Form einer Sanduhr. Einer viel zu großen Sanduhr vielleicht, aber definitiv weiblich. Hüfte und Po waren eindeutig die Gewinner dabei. Allerdings muss ich sehen, dass ich mein Gewicht wieder in den Griff bekomme, sonst laufe ich noch gänzlich aus der Form – was ich nicht will. Schließlich war ich vor meinem Outing bei knapp 130 kg – Das möchte ich nie wieder erleben. *grummel*

2 Jahre Hormonersatztherapie in Bildern

Die Körperbehaarung ist, bis auf den Bart im Gesicht, durch die Hormone erheblich weniger geworden – wenn nicht sogar gänzlich ausgeblieben. Mit anderen Worten es gibt Stellen am Körper an denen kein einziges Haar mehr wächst. Was mich natürlich richtig freut! Gerade am Po und Rücken waren die Haare, auch wenn es nicht viele waren, schon wirklich nervig und widerlich. „Wer hat sich nur so was einfallen lassen“. Ein Glück, dass wenigstens meine Brust nahezu völlig verschont geblieben ist. Den restlichen Haaren rücke ich dann eben mechanisch auf die Pelle.

Kommen wir nun aber mal zu den Punkten die sich in meinen Augen, in den letzten 24 Monaten an mir, durch die Hormone am meisten zum Positiven verändert haben. Und zwar wären dass zum Einen mein Gesicht bzw. meine Gesichtszüge und zum Anderen meine seelische Verfassung. Die Gesichtszüge sind eindeutig wesentlich weicher und weiblicher geworden, was mir in soweit zu Gute kommt, dass ich auch mal ungeschminkt einkaufen gehen kann und immer noch als Frau erkannt und „gelesen“ werde. Ich hätte davon nie zu träumen gewagt. Vor allem nachdem mal jemand, nicht so nettes, meiner Partnerin geschrieben hat: „Man muss damit rechnen, dass in dem Alter eine Mann-zu-Frau-Umwandlung optisch nicht die klassisch hübsche Frau werden wird. Ja. Manchmal wird es sogar unschön-auffällig.“

Diese Äußerung hatte mich, damals in den Anfängen, ziemlich belastet und verunsichert. Und jetzt 24 Monate danach bin ich zu der Auffassung gekommen, dass ich mich trotz meiner Vergangenheit – oder gerade weil – nicht zu verstecken brauche! Ich bin sicher nicht hässlich!  Auch wenn mir mein Kopf immer mal wieder ein Strich durch die Rechnung macht. Womit ich dann auch zu den psychischen Veränderungen kommen. Diese hatten sich schon am Anfang der Therapie recht schnell angedeutet und sich im Lauf der Zeit immer weiter gefestigt. Ich bin seelisch ausgeglichen wie eigentlich noch nie in meinem Leben. Im Grunde bin ich total glücklich. Eine Freundin meinte erst vor kurzen zu mir: „Man merkt dass Du glücklich bist. Du strahlst so von Innen heraus.“ Damit hat sie auch sicherlich recht. Denn ganz ehrlich es gibt mittlerweile so viele Momente in denen ich mich einfach von mir selbst leiten lasse. Mich nicht mehr selbst im Zaum halten muss, sondern einfach mein Sein genießen kann. Man könnte auch denken, es hat weniger mit den Hormonen zu tun. Ich denke trotzdem, dass sie einen großen Teil dazu beigetragen haben meine Seele ins Gleichgewicht zu bringen. Vorbei die Zeit der Zerissenheit.

Das Fazit nach 2 Jahren Hormonersatztherapie kann daher also für mich nur sein: Es hat sich trotz aller Risiken, die eine Hormonersatztherapie mit sich bringt, vollends gelohnt. Klar bin ich etwas geknickt, dass sich nicht alles so entwickelt hat, wie ich es mir gewünscht habe. Aber nur weil ich keine weibliche Brust bekommen habe würde ich meine Therapie nicht als gescheitert betrachten. Nein, im Gegenteil sie war ein voller Erfolg und ist noch lange nicht zu Ende. Seit der Geschlechtsangleichenden Operation im März sind meine Blutwerte nämlich jetzt endlich mal im „normalen“ weiblichen mittleren Bereich. Wer weiß also was sich noch so tut und der Brustaufbau ist sowieso in Arbeit. In diesem Sinn auf die nächsten spannenden Monate. Wer weiß ob ich den Gedanken an einer Gesichtsfeminisierung (FFS) dann nicht doch noch verwerfe. Was meint Ihr?

Liebe Grüße
Ellen

Snapchat - Juli 2017

5 Kommentare zu “2 Jahre Hormonersatztherapie – Was hat sich getan?

  1. FFS…? Lass das besser, Du bist beneidenswert hübsch (hast ja selber geschrieben, dass Du auch ungeschminkt „draussen“ durchgehst) Also wenn ich wählen müsste, mehr Brust oder feminines Gesicht – na ja, ist doch klar was ich nehmen würde! Ausserdem habe ich schon von Fällen gehört, wo nach der GaOP doch noch die Brüste wuchsen…Und kaum zu glauben, das mit den 130 Kilo früher, mit dem zierlichen Gesicht. War das wirklich kein „Druckfehler“? Ach ja, alles Liebe und Gute noch nachträglich zum Geburtstag! Und denk daran, man feiert ja nicht, dass man älter wird, sondern dass man geboren wurde!!! (Und irgendwann auch, dass man so lange überlebt hat) Ganz liebe Grüsse

    • Hallo Mariella, wie immer erstmal danke schön für Deinen Kommentar. Das mit den 130 kg war übrigens kein Tipp-/Druckfehler. Vor meinem Outing im Juli 2014 zeigte meine Waage noch genau dieses Gewicht an. Mittlerweile waren knapp 40 kg runter und nun wieder zehn hoch. Damit weißt Du jetzt wo ich aktuell ungefähr vom Gewicht stehe. 😉 Ich hab aber noch immer eine ganz kleine Hoffnung irgendwann dann doch auch mal ein „normal“ Gewicht zu erreichen. Liebe Grüße Ellen

  2. Hallo Ellen, also ich finde, du hast keine FFS nötig. Dein Gesicht sieht für mich vollkommen weiblich aus, da muss nichts dran gemacht werden 🙂
    Ich stehe erst am Anfang. Mein Therapeut hat mir September/Oktober als Termin für die Indikation gegeben, und ich hoffe, das dies klappt. Mein Problem ist dabei… ich bin 192 cm groß, habe ein entsprechend breites Kreuz (und den dazu passenden Bauch), eine Stimme wie ein Bär und eine Körperbehaarung wie ein Yeti 🙂
    Wenn ich jemals auch nur in die Nähe deines Aussehens kommen würde, wäre ich sowas von glücklich… mach dir also keine Gedanken über eine FFS, die hast du nicht nötig 🙂
    Liebe Grüße, Jessy

    • Hallo Jessy, Dir erstmal alles Gute für Deinen bevorstehenden Weg, dass alles gut verläuft und Du auf keine verschlossenen Türen oder großen Hindernissen stößt. Dann möchte ich mich auch noch für die ganzen Reihe an Komplimente bei Dir bedanken. FFS ist wirklich momentan eine Sache bei der ich hin und her schwanke. Ich werde trotz allem wohl mal einen Beratungstermin bei Dr. Bart van de Ven machen. Was ich dann mit dem Ergebnis mache muss ich mal sehen. Im Grunde hast Du aber wahrscheinlich recht. Nur sagt mir mein Kopf immer wieder mal etwas anderes. Liebe Grüße Ellen

      • Bei Dr. van de Ven wollte ich eventuell nächstes Jahr auch mal zu einem Beratungsgespräch… vielleicht kannst du uns ja deine Erfahrungen mit ihm mitteilen 🙂

Kommentar verfassen