Jahresrückblick 2017

Jahresrückblick 2017

Hallo Ihr Lieben,

wieder neigt sich ein „kunterbuntes“ und „turbulentes“ Jahr dem Ende zu. Viel ist dieses Jahr passiert. Viel mehr als ich noch genau vor einem Jahr erwartet hatte. Die Geschlechtsangleichende Operation lag noch in weiter weiter Ferne (geplanter Termin „Sommer 2019“) und ich wusste nicht im Ansatz was das Jahr für Überraschungen, Wendungen und Schicksalsschläge für mich bereit halten würde. Und trotz einiger Tiefschläge bleibe ich dabei – 2017 war ein fantastisches Jahr!

Mit anderen Worten ich bin am Ziel meiner solang unerfüllten Träume und kann es eigentlich noch gar nicht richtig glauben, begreifen, fassen – wie auch immer. Ich bin nun die Frau, die ich schon immer war. Allerdings bin ich es nun auch äußerlich und für jeden erkennbar. Bevor ich mich jetzt aber in einem Anfall von Gefühlsduselei verliere, fange ich dann doch lieber mal mit dem Jahresrückblick 2017 an und wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Mein erstes Tattoo

Februar 2017 – Das ich es ernst meine mit Vorsätzen für das „Neue Jahr“ kann und sollte man mir glauben. Okay, okay .. ich gebe es ja zu. Ich hatte schon lange Pläne und den Wunsch nach einem Tattoo. Allerdings fehlte mir immer der Mut zum letzten und endgültigen Schritt. Vielleicht war es auch ganz gut so. Denn die ursprüngliche Idee war ein „böser“ Wolf der durch die Haut nach Außen bricht und dabei die Haut zerfetzt.

Als Begründung, warum ausgerechnet dieses Motiv, habe ich immer allen und auch mir gesagt, dass es stellvertretend für das „Monster“ in mir stehen soll. Ein Monster welches mit aller Macht nach draußen will und sich dabei unkontrollierbar seinen Weg bahnt. Im Grunde war es symbolisch der Kampf den ich seit meiner Kindheit mit mir ausgetragen hatte. Außerdem fand ich das Tattoo in der Art und Form recht „maskulin“.

Das der Wolf aber eher ein zahmes „Kätzchen“ (wie es meine Partnerin immer gerne sagt) ist, stellte sich erst mit dem Zusammenbruch und dem Outing heraus. Damit war das Tattoo natürlich Geschichte und ich begriff langsam, dass ich nun endlich Motive wählen konnte, die besser zu mir passend. Blumen. Ich liebe Blumen und ich liebe Spitze. Was lag da näher als zwei blühende rote Rosen mit einer schwarzen Spitze zu wählen. Blühe ich nicht seit meinem Outing auf.

Dass Motiv brannte sich in meinem Kopf ein und ich machte noch im Januar einen Termin in einem Tattoostudio. Ein Schritt den ich nicht bereue. Auch heute noch erfreue ich mich am Anblick und fühle mich jedes mal erinnert was ich geschafft habe. Aus der „Dunkelheit“ ist eine schöne Rose gewachsen. Übrigens denke ich für das nächste Jahr schon an ein nächstes Motiv. Ein Schmetterling soll auf jeden Fall dabei sein. Mal sehen ob es klappt.

Mein erstes Tattoo

Die Geschlechtsangleichende Operation

15. März 2017 – Dieser Tag wird für immer einer der wichtigsten Tage in meinem Leben sein. Im Grunde ist es wie ein zweiter Geburtstag. Befreit von einem Körperteil was ich nie gewollt habe. Welches mich schon als Kind immer gestört hat und welches ich Stiefmütterlich versucht habe immer zu verdrängen. Teilweise sogar zu schaden. Doch dass ist jetzt Geschichte. Das Kapitel ist geschlossen und dafür ein völlig neues aufgeschlagen.

Ich sehe an mir herunter. Sehe in den Spiegel und sehe nur noch den Körper einer Frau vor mir. Auf den ersten Blick kann niemand erkennen, dass es jemals anders war und das ist auch gut so. Vergessen sind die 23 Tage im Krankenhaus. Vergessen sind die Komplikationen, die Enttäuschungen und nicht erfüllten Erwartungen. Mein neues weibliches Körperteil gehört zu mir, es ist schön – auch wenn ich nicht immer glücklich bin und gern die ein oder andere Verbesserung hätte.

Doch es bleibt dabei. Der 15. März wird in Zukunft einen besonderen Platz in meinem Leben einnehmen. Vermutlich werde ich ihn sogar feiern. Nur für mich. Mit einem Sekt, einem Schwimmbadbesuch, wer weiß. Dankbarkeit macht sich breit. Dankbar dafür, dass die Kasse die Kosten übernommen hat. Dankbar dafür, dass alle Ärzte und Schwestern sich solche Mühe gegeben haben. Die Station 4 im Rotkreuzklinikum München ist zu einem kleinen Stück „Heimat“ geworden. Nicht zuletzt weil ich dadurch neue liebe und tolle Menschen kennenlernen durfte.

Die Korrektur-OP mit Brustaufbau

06. September 2017 – Die letzten sechs Monate, nach der Geschlechtsangleichenden Operation, waren mehr oder weniger geprägt von dem täglichen Bougieren und dem geduldigen Warten auf Heilung. Eine Heilung die nur sehr schleppend voran ging und meine Geduld so manches mal auf die Probe stellte. Wer weiß vielleicht war diese Zeit auch daran schuld, dass ich mich nochmal genauer mit mir und meinem Körper auseinander gesetzt und mich dann doch für einen beidseitigen Brustaufbau entschieden habe.

Eine Entscheidung die ich übrigens bis zum heutigen Tage nicht bereue und wohl auch nicht mehr bereuen werde. Viel zu sehr hat sich durch diesen Schritt mein Körpergefühl dadurch zum Positiven verändert. Ich sehe in den Spiegel – sehe an mir herunter – und habe auf einmal Rundungen die mir noch bis vor kurzen verwehrt waren. Es ist so ein tolles Gefühl, wenn das Äußere endlich nach so langer Zeit der eigenen Persönlichkeit entspricht.

Ein einziger Wermutstropfen bleibt allerdings noch bestehen. Ich werde wohl nächstes Jahr noch ein letzte Mal zu einem ambulanten Eingriff nach München müssen. Zu sehr stört mich eine Stelle (auch mit Schmerzen) im Intimbereich, als dass ich sie unbehandelt lassen möchte. Ärgerlich ist nur, dass diese eigentlich bei der ersten Korrektur-OP hätte mitgemacht werden sollen. Es wird schon – ich bin nicht ich, wenn ich der Sache nicht positiv und zuversichtlich gegenüber stehe.

Sonstiges

Natürlich ist dieses Jahr auch noch wesentlich mehr in meinem Leben passiert als nur die GaOP, der Brustaufbau und ein Tattoo. Allerdings habe ich bisher nicht über alles geschrieben. Zum Einem weil ich nicht alles für besonders wichtig ansah und zum Anderen weil ich es teilweise auch einfach nur verpasst habe. Irgendwie habe ich auch ein Talent dafür Dinge zu verplanen.

So bin ich nun mal. Aber es gibt eben auch Dinge die ich noch gerne erwähnen möchte. So bin ich nun zum Beispiel schon 2,5 Jahre in der Hormontherapie und wie ich finde dann doch recht erfolgreich. Zumindest habe ich das Gefühl das sich alles sehr gut entwickelt hat und ich stolz auf meinen Körper sein kann, dass er den Wechsel doch so gut vollzogen hat. Es hätte ja auch alles anders kommen können.

Dann habe ich dies Jahr meine begleitende Psychotherapie beendet. Was für mich wieder ein Schritt in Richtung Normalität war und ja auch gut so ist. Das Ziel der Transition sollte es ja auch sein, irgendwann selbstständig und selbstbewusst sein Leben führen zu können. So weit war die Therapie dann wohl auch ein Erfolg, wobei es nicht viel mehr war als alle drei Monate ein 15 Minütiges Gespräch.

Bleibt mir eigentlich nur noch eine Sache zu nennen. Und zwar mein dauerhaftes Problem mit dem Gewicht – bzw. dem Verlauf davon.  Hatte ich nach der erste OP noch knapp 10 kg abgenommen, so folgte dann über das Jahr verteilt eine Zunahme von über 15 kg. Kein Wunder das es mich ärgerte und ich im November die Notbremse gezogen habe. Okay – ich habe auch den ärtzlichen Rat bekommen es zu ändern. Mittlerweile sind schon wieder knapp fünf Kilo runter. Da ich aber diesmal konsequent sein möchte strebe ich sogar noch weitere zwanzig an. Ihr dürft mir also gerne die Daumen drücken und falls es jemanden von Euch interessiert mag ich auch etwas darüber im Blog schreiben. Hinterlasst mir einfach dafür einen Kommentar.

Ansonsten bleibt mir jetzt eigentlich nicht mehr viel was ich Euch noch sagen könnte. Außer habt einen guten Rutsch ins Neue Jahr, bleibt gesund und kämpft für Eure Träume. Jeder Mensch ist so wie er ist und sollte eben auch so sein können.

Ein glückliches und frohes Neues Jahr 2018
Ellen

3 Kommentare zu “Jahresrückblick 2017

  1. Liebe Ellen,
    Auch ich habe die letzten Tage mit viel resumieren verbracht und das letzte Jahr revue passieren lassen. Auch bei mir hat sich viel ereignet und lerne jetzt gerade erst zu schätzen was ich 2016 -SECHZEHN – alles erleben durfte. Die GaOP ist so ein Befreiungsschlag, das kann sich kein Normalo nur ansatzweise vorstellen. Auch mein tattoo soll meine neugewonnene feminine Seite unterstreichen – was passt da besser als der Phönix um meinen Neuanfang zu begleiten, genau so wie deine Rosen.
    Ich wünsche dir genau so viel Erfolg im kommenden Jahr. Ich drück dich ganz fest!

    Liebe Grüße aus dem Norden,
    deine Mila

  2. Hallo Ellen,
    Natürlich interessiert es mich 😉,also bitte weiterschreiben.
    Vielen lieben Dank für Deine Wünsche,ich wünsche Dir auch weiterhin alles nur erdenklich Gute und ein erfolgreiches Jahr 2018.
    Liebe Grüße
    Franziska

  3. Liebe Ellen, ich schließe mich meinen Vorgängerinnen an: bitte unbedingt weiterschreiben, auf Deine Beiträge war ich immer sehr gespannt und sie haben nicht nur mir sehr geholfen! Dir wünsche ich vor allem, dass sich 2018 für Dich alles normalisiert und stabilisiert, vor allem zusammen mit Deiner Familie! Ich merke bei meiner, dass der gute Wille, uns auf unserem Weg zu unterstützen, zwar da ist, das Gefühl aber längst nicht immer so mit kommt, wie der Verstand es gern hätte.
    Sei herzlich gegrüßt und umarmt von Deiner Maneu

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