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n dem jetzt folgenden und letzten Beitrag zur meiner Korrektur-OP mit Brustaufbau möchte ich Euch von der Zeit nach der Operation berichten. Was ich erlebt habe und wie es mir so im Einzelnen ergangen ist. Allerdings werde ich diesmal nicht jeden einzelnen Tag beleuchten, sondern eher eine grobe Zuammenfassung der Geschehnisse geben. Zum Einem waren alle Tage in etwa gleich und zum Anderen bin ich diesmal zum Glück von jeglichen Komplikationen verschont geblieben. Was natürlich auch anders hätte sein können. Eine Geschlehtsangleichende Operation ist eben kein Spaziergang – Weder körperlich noch seelisch – und sollte vorher gut bedacht werden. Aber bevor ich Euch langweile lieber zum Beitrag.

Die restliche Zeit im Krankenhaus

07. September 2017 – Die erste Nacht nach der Operation war absolut schrecklich! Um es salopp zu sagen – sie war ein totales Fiasko. Nicht nur, dass ich mich durch das Ziehen und den Schmerzen in der Brust kaum bewegen konnte. Nein, es war mir auch mal wieder strikt untersagt auf der Seite zu schlafen. Hurra, ein Déjà-vu – hatte ich das nicht alles schon mal? Ja, genau – vor genau knapp 6 Monaten war es ähnlich. Ich war genauso mit Eisbeuteln bewaffnet im Bett und versuchte auch damals die Schwellungen in den Griff zu bekommen.

Okay, die Eisbeutel waren diesmal wesentlich besser verteilt und brachten mir persönlich auch eindeutig mehr. Zumindest hielten sich die Schwellungen durch das konsequente Kühlen doch ganz gut in Grenzen. Wie dem auch sei. Die Nacht war dennoch alles andere als erholsam. Dafür, dass ich die Nacht kaum geschlafen hatte verlief dann der Tag ganz gut. Das Aufstehen bereitete mir zwar noch ein paar kleinere Probleme, aber ansonsten alles Tip-Top. Irgendwie hatte ich mir den Brustaufbau schmerzvoller vorgestellt.

Apropos Schmerzen? Von dem operativen Eingriff an der Neovagina spürte ich rein gar nichts. Und damit meine ich wirklich überhaupt nichts. Also schaute ich zur Sicherheit nach und war leicht schockiert. Der Arzt hatte wohl nicht alles gemacht, was wir in der Voruntersuchung im Mai besprochen hatten. „Dog Ears“ (Hundeohren, bzw.  überstehende Hautreste von der erste Operation) waren entfernt und die äußeren Labien etwas vertieft – aber mehr wurde nicht gemacht. Schade. Dabei hatte ich doch ausdrücklich betont, dass mir eine Stelle unter der Harnröhren Öffnung ein paar Probleme bereitet. Mit anderen Worten der Bereich, der bei der ersten Operation nekrotisch war, ist leider so verwachsen, dass er unter ständiger Spannung ist und teilweise stört.

Ich dachte mir, vielleicht hat er es ja mit der Vertiefung der Schamlippen auch so gelöst und dachte mir erstmal nichts mehr dabei. Meine Zimmernachbarin stellte sich die nächsten Tage als ein wahrer Glücksgriff heraus. Wir hatten sichtlich unseren Spaß mit tollen Gesprächen, eine Menge YouTube Videos und diversen Spaziergängen auf dem Krankenhausflur. Es war schön nicht alleine zu sein und es war schön jemanden der das alles noch vor sich hat bei den ersten Schritten – bougieren etc. unter die Arme greifen zu können. Die Patienten aus den anderen Zimmern haben wir leider so gut wie nie gesehen. Dabei hatte ich mich schon gefreut, wie bei der ersten OP bis tief in die Nacht auf dem Flur mich mit den anderen unterhalten zu können. Dennoch.

Die Zeit verging wie im Flug. Es kam der Sonntag und der gehasste Blasenkatheter wurde gezogen. Was für eine Erleichterung und wie schmerzlos es geht, wenn der Intimbereich kein akutes Wundgebiet ist. Dennoch bleibe ich grundsätzlich bei meiner Meinung. Ein Katheter ist einfach nur mega nervig, furchar, widerlich und schlägt mir irgendwie ganz gehörig auf die Psyche. Ein Glück, dass ich als Aufheiterung neben meiner Bettnachbarin auch noch das tolle Pflegeteam hatte. Ein Spaß zwischendurch erhellt die Stimmung immer wieder erheblich. Viel mehr noch, wenn völlig unerwartet eine meiner Lieblings-Pflegerinnen aus ihrer freien Woche kommt und man sich erstmal vor Freude herzlich umarmt. (Danke Dir dafür, falls Du es lesen solltest.)

Ach ja, was ich ganz verschwiegen habe. Bei dem Brustaufbau wurde die komplette Brust abgetaped – Was zur Folge hatte, dass sich durch die daurhafte Spannung ein paar „Zugblasen“ bildeten. Ich kann Euch versichern, die waren für mich wesentlich schlimmer als die Schmerzen. Warum? Ganz einfach, weil diese das Jucken anfangen und damit komm ich wesentlich schlechter zurecht. Nur so als Vorwarnung für alle die auch einen Brustaufbau planen. Denn kratzen ist nicht ratsam. Also Finger stillhalten auch wenn man die Decke hochgehen möchte.

Tränen zum Abschied

12. September 2017 – Nachdem ich die letzten zwei Tage mehr oder weniger gelangweilt im Krankenhaus die Zeit totgeschlagen habe. Sich im Grunde keiner mehr um meine „Wundversorgung“ kümmern braucht, weil alles soweit gut verheilt. Darf ich heute – genau eine Woche nachdem ich eingecheckt habe – wieder nach Hause. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie sehr ich mich freue. Es ist tatsächlich diesmal alles gut verlaufen. Keinerlei Komplikationen und ich bin wirklich glücklich nun alle operativen Maßnahmen (GaOP und Brustaufbau) hinter mir zu haben.

Ich habe es geschafft. Ich bin am Ziel einer langen beschwerlichen Reise. Diese Gedanken scheinen in mir alle Dämme zu brechen und so sitze ich mit gepackten Koffern mit meiner noch Bettnachbarin im Zimmer  – warte auf die Krankenschwester – und kämpfe mühevoll gegen die Tränen an. Tränen der Erleichterung aber auch Tränen des Abschieds. Knapp einen Monat meines Lebens habe ich auf dieser Station 4 verbracht. Hier wurde mein größter Traum erfüllt. Ich habe gelitten, geweint, gehofft, gezittert und gelacht. Die Weichen für ein erfülltes Leben sind gestellt. Was ich daraus mache wird sich zeigen. Dankbar bin ich auf jeden Fall für all die Hilfe die ich hier erhalten habe.

Doch genug der Sentimentalität und Rührseligkeiten.  Die Gesundheits- und Krankenpflegerin ist da. Ich möchte das sie nochmal einen Blick auf alles wirft und mir ihre Einschätzung gibt ob alles soweit gut ist und schön ausschaut. Ich habe da halt noch immer Komplexe, dass es durch die Komplikationen der ersten OP nicht so geworden ist wie es hätte sein sollen. Doch sie kann mir Entwarnung geben und nach einer letzten Umarmung und der Verabschiedung von meiner Zimmernachbarin verlasse ich das Zimmer.

Die Tür fällt ins Schloss. Das Kapital Geschlechtsangleichende Operation ist abgeschlossen und schon etwas wehmütig laufe ich zur U-Bahn. Am Hauptbahnhof gönne ich mir noch einen Kaffee von Starbucks und setze mich in den Regionalzug nach Ansbach. In wenigen Stunden bin ich daheim und sehe meine Familie wieder. Nirgends ist es halt so schön wie daheim.

6 Wochen nach der Korrektur-OP

18. Oktober 2017 – Er ist aus!! Ich habe den blöden Kompression-BH jetzt nach sechs Wochen des dauerhaften Tragens endlich in die Ecke pfeffern können. Glaubt mir ich war noch nie so froh einen BH ausziehen zu können wie jetzt. Eine regelrechte Erleichterung, wobei es momentan noch völlig ungewohnt ist nun auf einmal keinen Druck mehr dort zu spüren. Dafür entschädigt aber der Anblick nach Unten für alles. Ich habe seit sechs Wochen eine richtig weibliche Brust.

Vorbei die Zeiten von – „Ich pushe bis der Notarzt kommt“ – Jetzt habe ich auch weibliche Rundungen wenn ich mal keinen BH trage. Apropos BH. Houston wir haben ein Problem. Ich habe mittlerweile nicht einen BH im Schrank der mir passt. *fail* Aus einem unter AAA-Körbchen ist wohl ein ganz ordentliches C geworden. Also wird mir nichts anderes übrig bleiben, als in den nächsten Tagen neue BH’s zu kaufen. Es gibt schlimmeres. 🙂

Zum Beispiel, dass ich noch immer keinerlei Gefühle in den Brustwarzen habe. Hoffentlich wird sich das aber in den nächsten Wochen/Monaten wieder ändern. Die neuen Narben an der Neo-Vagina und der Brust beginnen zu verblassen und werden langsam weich. Mein ganzes Körper empfinden hat sich durch diese Operation übrigens nochmal verbessert. Ich fühle mich noch wohler im Körper als nach der erste GaOP. Mit entsprechenden Konsequenzen – aber das ist ein anderes Thema und wird vermutlich in einem anderen Beitrag von mir nochmal aufgegriffen. Es bleibt also für mich aktuell fest zu halten, dass ich rund um glücklich bin und diese Operation trotz allen Komplikationen jederzeit wieder machen würde.

Ich danke Euch für das durchlesen des Beitrages / der Beiträge und würde mich freuen, wenn Ihr mir ein Kommentar oder auf Facebook ein Like da lasst. Es macht es mir unendlich leichter, wenn ich merke – dass sich überhaupt jemand für mein Geschriebenes interessiert. Herzlichen Dank und …

Liebe Grüße
Ellen