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or gar nicht allzu langer Zeit habe ich, um mein Stimmpassing (Transfrau) zu verbessern, voller Hoffnung mit der Logopädie angefangen. Meine Stimme – so empfand ich es zumindest – war am Telefon einfach grausig und so wurde ich ständig als „Herr“ angesprochen. Ein Umstand der sehr schmerzhaft sein kann. Gerade weil man dieses Kapitel in seinem Leben hofft doch irgendwann hinter sich lassen zu können. Was lag dann also näher als es mit ein wenig Logopädie zu versuchen?

Gesagt getan. Ich besorgte mir eine Verordnung vom HNO Arzt und einem Termin bei einer Logopädin die schon Erfahrungen mit anderen transsexuellen Menschen hatte. Zur meiner Verwunderung bekam ich von ihr mitgeteilt, dass sie erstaunt ist wieso ich überhaupt da bin. Schließlich wäre meine Stimme schon von Natur aus im normalen weiblichen Bereich. Also recht hoch. Ich erklärte Ihr meine Situation und so überlegte sie sich ein paar Übungen um mein Sprachmuster ein wenig anzupassen.

Klingt erstmal kompliziert! War er es aber im Grund überhaupt nicht. Hauptsächlich ging es nur darum Wörter und Sätze höher anzufangen um nicht nach hinten hinaus zu weit mit der Stimme abzusinken. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich irgendwelche Verse, Wörter und Sätze mit M wiederholen musste und wie blöd ich mir manchmal vorkam. Aber ich glaub das gehört einfach dazu. Außerdem war die Logopädin echt sehr nett, so dass es alles in einem normalen Rahmen war.

Schrecklich war es nur, seine eigene Stimme auf Band zu hören. Ich hasse sie einfach. Wobei ich sagen muss, ich hatte früher noch ein wesentlich gestörteres Verhältnis zu mir und meiner Stimme. Ich fand sie zu quakig, zu nervig und vieles mehr. Aber gut, da wollte ich der Welt auch noch den „Mann“ vorspielen. Jetzt im nachhinein betrachtet passte die Stimme schon immer mehr wirklich zu meinem wirklichen ICH. Und im Grunde kann ich sagen, das die Logopädie mir damit geholfen hat, dass ich sie besser annehmen kann. YouTube Videos werde ich wohl dennoch vorerst nicht produzieren, es sei denn der Wunsch danach wird irgendwann größer oder Ihr wollt das. 😉

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Bereits in der zweiten Sitzung signalisierte mir die Logopädin, dass sie das Gefühl hat, dass es mit ein paar Sitzungen erledigt ist. Schließlich wäre meine Stimme extrem stabil und es gibt keine großen Schwankungen nach unten und nach oben. Zitat: „Wenn sie hinter mir an der Kasse stehen und reden würden, würde ich nie auf die Idee kommen das dort keine Frau steht“. War das ein indirektes Kompliment? Ich glaube schon und es ging runter wie Öl. Wohltutend und mal wieder Balsam für meine Seele.

Übrigens kam es nun so wie sie es sich dachte. Nach 3,5 Sitzungen Logopädie war auch schon wieder einvernehmlich Schluss. Wir fanden beide, dass es eben keinen Sinn mehr machte. Viel zu gut und stabil verlief die Entwicklung. Alles andere liegt nun nur noch an mir. Ich muss meine Übungen weiter machen und konsequent das Erlernte umsetzen. Klar wird es mir nicht immer leicht fallen und manchmal verfalle ich dennoch in das alte Sprachmuster. Dann muss ich aber sehen, das ich mich frusten lasse und es versuche gleich zu korrigieren.

Außerdem plane ich aktuell, mir demnächst einfach mal ein paar Videos zum Thema Stimmpassing anzuschauen. Wer weiß? Vielleicht finde ich in dem einem oder anderem Video ein paar wertvolle Tipps, wie ich meine Stimme noch etwas runder bzw. für mich passender bekomme. Ich denke ich werde Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. 🙂

Liebe Grüße
Ellen