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er Beschluss zur Vornamens- und Personenstandsänderung ist nun schon etwas mehr als ein Monat rechtskräftig und mit jedem Tag wird mir mehr bewusst, was ich da eigentlich für mich geschafft habe. Ein riesen Schritt nach vorne und ins Glück. Wie gut es sich anfühlt endlich rechtlich auch als Frau anerkannt zu werden, ist für viele nicht zu verstehen. Ich habe etwas erreicht, was mir wirklich niemand mehr nehmen kann. Als ich vor fast zwei Jahren mein erstes Outing hatte schien alles so unerreichbar weit weg und nie hätte ich geglaubt, dass ich es auch mal erleben darf / kann. Und nun ? Nun ist es Realität. Ein Traum der Wirklichkeit wurde.

Der Weg bis hier her war wahrlich nicht immer leicht und so manches Hindernis musste genommen werden.  Nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen in meinem  direkten Umfeld. Ich habe erst letzten wieder Bilder kurz nach meinem Coming Out gesehen. Ich kann nur sagen sorry. Entschuldigt dass ich Euch das angetan habe. Aber es ist auch schon so viel besser geworden. Blöde Blicke gibt es eigentlich nur noch ganz selten.

Mein Mittel aktuell dagegen ist einfach zurückt starren. Vielleicht merken sie dann wie dämlich ihr Verhalten ist. Es ist leider in unserer Gesellschaft immer noch nicht selbstverständlich, dass es Menschen wie mich gibt. Und noch viel weniger so eine tolle Familie und Freunde die fest zu mir halten. Danke dass es Euch gibt. Nicht zu letzt dank Euch habe ich es bis hierher geschafft.

Jetzt aber, mal zum eigentlichen Thema. (Ich sollte mich Meisterin des Abschweifens nennen) – Wie einige von Euch schon mitbekommen haben, war ich die letzten Wochen ziemlich arg beschäftigt (Büro-Ausbau, Unwetter), so dass es mir einfach nicht möglich war meine Papiere möglichst schnell ändern zu lassen. Das Einzige was ich geschafft hatte, war bei der Krankenkasse anzurufen und ihnen mitzuteilen, dass ich jetzt Frau Herbes bin.

Was mich persönlich völlig überraschte. Es kam gar keine Nachfrage, ob ich es irgendwie schriftlich belegen könnte. Die freundliche Sachbearbeiterin vermerkte es in den Unterlagen und nicht mal eine Woche später hatte ich die neue Gesundheitskarte mit meinem Namen. Wow – wieso geht das jetzt ? Und vorher war das angeblich einfach unmöglich ? Etwas verwirrend fand ich das schon, aber nicht so verwirrend wie das Bild auf der Karte. Da strahlte mir ein Foto entgegen, was mir überhaupt nicht mehr ähnlich sieht. Offensichtlich ein Mann ? Also habe ich gleich wieder angerufen und nach gefragt was da passiert ist. Nach einer kurzen Entschuldigung wurde mir mitgeteilt, dass ich mein Foto nochmal einreichen soll. Was ich dann auch bald machte. Auf die Karte warte ich übrigens jetzt noch. Mal geht es schnell und dann dauert es wieder ewig.

Dafür bin ich aber mittlerweile schon beim Fotografen gewesen und habe dort die üblichen Verbrecher Fotos machen lassen. Warum man auf diesen Fotos nicht mal ansatzweise lächeln darf, werde ich nie verstehen. Vor allem, ist es mittlerweile echt schwer geworden seine Gefühle so zu verbergen, dass nicht mal die kleinste Regung im Gesicht abzulesen ist. Ein hoch auf die Hormone. *grins*

Na ja, auf jeden Fall bin ich am nächsten Tag gleich mit den Fahndungsfotos zum Bürgeramt und habe meinen neuen Ausweis und Führerschein beantragt. Was war ich überrascht wie kurz die Wartezeit war und wie selbstverständlich die Sachbearbeiterin einfach alles unbürokratisch erledigt hat. Quasi so, als ob es überhaupt nichts besonderes ist. Keine 20 Minuten später war ich auch schon wieder vor der Tür. So kann es gehen. Mit aller Wahrscheinlichkeit, kann ich die neuen Dokumente übrigens schon nächste Woche abholen. Ich freu mich drauf. Endlich bei egal was ist, im Hinterkopf zu haben, wenn sich jemand aufführt, kann ich meinen Ausweis rausholen und belegen, dass ich eine Frau bin.

Okay, Okay – es ist bis jetzt noch nie vorgekommen und wird es hoffentlich auch nie. Aber die Gewissheit rechtlich abgesichert zu sein, ist schon ein tolles Gefühl. Übrigens habe ich mittlerweile schon so einiges ändern lassen (Versicherungen, Strom, Gas, Wasser). Auch hier war alles völlig problemlos. Einige wollten gar keine Dokumente von mir, andere nur die Kopie vom Beschluss und fast alles ging per E-Mail oder Telefonat. Einzig die Telekommunikationsanbieter sind da irgendwie eigen. „Bitte laden Sie sich von unserer Internetseite das Formular XYZ herunter und schicken es uns ausgefüllt zurück“ – Was ich bis jetzt noch nicht getan habe. Bei denen hatte ich das Gefühl als sei ich mit einer Bank verbunden.

Wobei bei meiner Bank ist es auch kein Thema. Nächsten Monat hab ich dort einen Termin und wir werden in einem Abwasch einfach alles umschreiben. Mit anderen Worten, die Bank macht weit weniger „Probleme“ als mein Handy und mein Telefonanbieter. Muss ich auch nicht verstehen. Apropos, ich habe die Geburtsurkunde vergessen. Die war nämlich nach der Krankenkasse das zweite Dokument, was bei mir einfach per Post (+ Nachnahmegebühr) ins Haus kam. Da stand es dann zum ersten Mal in meinem Leben schwarz auf weiß Ellen Marie – Geschlecht: weiblich.

Mein arme Nachbarin. Der bin ich mehr oder weniger um den Hals gefallen, als ich bei Ihr Geld für die Gebühr wechselte. Ich kann halt nichts für die Emotionen in dem Moment. Sie mussten wohl einfach unkanalisiert raus.

Meine Zeugnisse gestalten sich bis jetzt noch etwas schwieriger. Die Schulen, die ich besucht habe existieren so nicht mehr, so dass ich erstmal mit dem Schulamt in Hamburg telefonieren musste um zu erfahren wo ich die gesuchten Dokumente beantragen kann. Bis jetzt hat sich auch nur die Realschule und die IHK gemeldet. Ich hoffe das Gymnasium und die Uni folgen noch. Ich will ja nicht viel. Nur diese vier Abschlusszeugnisse hätte ich schon gern. Ich warte es einfach mal ab und berichte Euch dann von dem Fortschritt.

Gestern kam dann übrigens noch die Abrechnung für die Kosten meiner Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ) – Ich denke ich bin da dann doch noch ganz gut weggekommen (1275,91 €) Auch wenn der eine Sachverständige (Gutachter) im Verhältnis zu den anderen Positionen doch etwas gut zugeschlagen hat. Ich werde mich aber nicht drüber aufregen. Zu groß ist die Freude dass ich es endlich geschafft habe und das Thema Vornamens- und Personenstandsänderung so langsam zum Ende kommt. Wartet schließlich doch die nächste Baustelle schon auf mich. Der Antrag für die geschlechtsangleichende Operation (GaOp) – im Oktober. Drückt mir die Daumen.

Falls es jemand interessieren sollte? Hier die Abrechnung für mein Verfahren nach dem TSG (Transsexuellen Gesetz):

Nr. Gegenstand Betrag
1. Vergütung Sachverständiger 865,96 €
2. Vergütung Sachverständiger 263,95 €
3. Verfahrenskosten 146,00 €
=Summe 1.275,91 €

Und da ich schon länger keine Fotos von mir gepostet habe. Ein paar von letzter Woche Freitag. Ich denke mein Passing wird dank Hormone immer besser. Oder was meint Ihr ? Auf jeden Fall kein Vergleich zu den Bildern von vor einem Jahr.

Liebe Grüße
Ellen