Outing bei der Partnerin – Teil 2

Hallo Ihr Lieben,

im letzten Beitrag „Transsexuell und nun ..?“ habe ich davon berichtet, dass die ersten Schritte in Richtung Outing bei meiner Partnerin getätigt wurden. Das ich nicht wusste, wie es weiter gehen soll. Doch meisten kommt es wirklich anders als man denkt. Vergangenes Wochenende wollten wir endlich, nach zwei Monaten Verspätung, unser Zweijähriges gemütlich in einem Lokal feiern – also gingen wir am Freitag gemütlich Essen.

Es lief alles gut soweit. Wir unterhielten uns über unser Leben, die Arbeit und die Kinder. Wir kamen zu dem Schluss dass wir einfach zu wenig für uns als Paar haben. Wir abends einfach so kaputt sind, dass keiner von uns noch in der Lage ist sexuell aktiv zu werden. Dennoch haben wir die Hoffnung dass es auf Dauer nur besser werden kann.  Das Thema Transsexualität stand dabei überhaupt nicht im Fokus. Es war also für mich ein überraschend schöner Abend geworden. Vor allem, weil ich sie am Vortag doch so mit dem Einem oder Anderem schockiert habe und ihre Welt ein Stück weit eingerissen habe.

Ich dachte schon sie würde damit nicht zurecht kommen oder es tot schweigen. Doch gegen Ende kam unser Gespräch dann doch auf das Thema. Sie fragte mich gezielt – wie ich mich fühle, seit wann schon, usw.. Sie wirkte dabei sehr aufgeschlossen und ich gab mir Mühe ihr alles zu erklären. Wobei ich sie auch bei einigen Themen vertrösten musste. Ich fand es einfach unangenehm in der Öffentlichkeit über bestimmte Ding zu reden.

Irgendwann neigte sich das Essen dem Ende zu und wir fuhren nach dem bezahlen nach Hause. Dort angekommen machten wir es uns auf dem Sofa bequem und schauten aneinander gekuschelt Fernsehen. Natürlich redeten wir auch dort wieder über das aktuelle Thema. Ich erklärte ihr meine Abneigung zu meinem männlichen ich und meinem Aussehen. Vor allem dass ich mit meinem Charakter selbst und was ich im inneren bin überhaupt keine Probleme habe.

Sie kann und konnte es nicht verstehen – wieso, weshalb, warum. Schließlich bin ich in Ihren Augen doch ein sehr schöner attraktiver Mann. Sie glaubt das in meiner Kindheit etwas schief gelaufen ist und es vielleicht mal mit professioneller Hilfe aufgearbeitet gehört. Ich versuchte ihr noch zu erklären, dass ich mit meinem Charakter und meinem inneren ich überhaupt kein Problem habe. Ich finde mich sogar so wie ich bin absolut richtig – Einen sehr liebenswerten fürsorglichen und netten Menschen. Klar habe ich auch meine Fehler, aber die hat jeder.

An diesem Abend passierte dann nicht mehr viel und wir schliefen aneinander gekuschelt ein. Ich liebe es einfach bei ihr zu sein.

Der Samstag startet ähnlich wie der Freitag aufgehört hatte. Nur mit ein bisschen mehr. Nach langer langer Zeit hatten wir mal wieder Spaß. Der Tag verlief unspektakulär. Aufräumen, Einkaufen und den Kindern hinterherputzen. Also quasi, alles was in der Woche durch die Arbeit liegen bleibt. Erst gegen Abend hatten wir wieder etwas Zeit. So versuchte ich diesmal etwas offensiver zu zeigen, dass mit mir mehr nicht stimmt als nur eine Störung in der Persönlichkeitswahrnehmung. Ich wollte ihr verständlich machen, dass ich im inneren eine Frau bin.  Ich zeigte ihr Fotos von mir auf denen ich als Frau zu erkennen bin. Dass ich mich auf den Bildern durchaus attraktiv finde, obwohl es die gleiche Person ist. Ich finde dass ich schöne Augen habe und das sie mit dem passenden Makeup noch viel schöner sind. Ich machte sie auch auf ein paar Verhaltensweisen aufmerksam. Ich hoffte dass sie so verstand, dass ich eben mehr Frau als Mann war und bin. Sie schien es langsam zu verstehen, aber den letzten Schups in die Richtung gab ich ihr, als ich online am Laptop einen Test (cogiati) machte und das Ergebnis offen rumstehen ließ.

Man kann jetzt denken was man will von dem Test.  Das gelbe vom Ei ist er sicherlich nicht. Aber es half mir. Sie begriff was ich ihr damit sagen wollte. Das ich nicht irgendein Problem habe, sondern das ich transsexuell bin. Klar weiß ich nicht, wie weit ich gehen werde – ob ich als Frau leben werde, oder sogar eine Geschlechtsumwandlung machen lassen werde. Aber sie begriff das ich innerlich nie ein Mann war und nie einer sein werde. Ich glaube es war auch der Punkt, an dem ihr innerer Widerstand gebrochen war. Sie es für sich zu ließ, mich das erste Mal bewusst als etwas anderes zu sehen. Sie empfahl mir einen entsprechen Therapeuten bzw. tiefen Psychologen, oder zur Not auch eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.

Ich glaube das war auch der Moment, als eine schwere schwere Last von mir abfiel.  Endlich hatte ich real jemanden der mich wirklich verstand. Es blieb nur noch die Frage im Raum – hält sie zu mir oder eben nicht. Es gab keine Anzeichen, dass dem nicht so ist. Wir kuschelten wieder danach. Schrieben uns am Sonntag Nachrichten hin und her. Ich war zu einem Workshop außer Haus.

Das war dann so grob mein ereignisreiche Wochenende. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sie auch noch ihre Verunsicherung los werden kann. Ich werde versuchen ihr dabei zu helfen und meine eigene auch in den Griff zu bekommen. Mein Ziel für die Woche ist es erstmal auf eine Informationsveranstaltung zu gehen, wo sich die Selbsthilfegruppe hier vor Ort vorstellt. Damit Strecke ich dann schon mal meine Fühler in die Richtung aus. Wünscht mir Glück und Mut

3 Kommentare zu “Outing bei der Partnerin – Teil 2

  1. Hallo Ellen
    Ich muß dir schreiben,denn mir geht es ähnlich!
    Meine Frau weiß es seit ungefähr 8Wochen und mir ist auch ein riesen Fels vom Herz gefallen!
    Gut bei mir ist es anders,glaube ich zumindest,ich möchte keine Frau sein,liebe es aber mich in schöne Kleider zu hüllen!
    Meine Frau und ich haben auch lange geredet,aber ob sie alles verstanden hat weiß ich noch nicht!
    Wenn du Interresse hast mit mir darüber zu schreiben,dann schicke eine email,oder beim Crossdresser-Forum!Dort bin ich als Katjasatin angemeldet!
    L.G. Katja

    • Hallo Katja,

      auch hier nochmal vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Ich hoffe Deine Frau kommt mit Deinem
      Outing gut zu recht. Auf das Angebot mit dem persönlichen Kontakt komme ich dann ggf. zurück.

      Liebe Grüße
      Ellen

  2. Liebe Ellen, ich kann’s kaum glauben: auch ich habe den Cogiati-Test genau wie Du dafür genutzt, um mich meiner Frau gegenüber zu outen! Hat perfekt funktioniert, ich bin unendlich erleichtert und habe tatsächlich Verständnis und Unterstützung für den weiteren Weg zugesagt bekommen! Danke für‘ s Einstellen des Tests auf Deiner Seite und liebe Grüße aus dem mit meiner Frau verbrachten Griechenland Urlaub! Manu

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