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etzt es ist so weit! Heute möchte ich Euch endlich von meinem großen großen und ganz wichtigen Tag berichten. Dem Tag den ich solange sehnsüchtig entgegen gefiebert und geglaubt habe, dass dieser erst in ein ferner Zukunft sein wird – also dem Tag meiner Geschlechtsangleichenden Operation in München.

Ich hoffe, dass Euch das „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“ gefällt und Ihr voller Spannung mitfiebern könnt, wie es mir vor ein paar Wochen ergangen ist?  Mir persönlich geht es jedenfalls so, dass ich selbst jetzt noch beim Schreiben Gänsehaut bekomme. So viele Sorgen und Ängste, aber auch Hoffnungen …

… Geht alles gut und wie würde es wohl werden? Die Reise ins Unbekannte begann an einem Mittwoch. Und Euch nun viel Spaß beim Lesen.

Vor der GAOP – Morgens

Mittwoch früh, kurz nach 6:00 Uhr – Heute ist es also soweit. Der Tag der Operation ist da! Und ich habe seltsamerweise sogar mal richtig gut geschlafen.  Moment, sollte ich nicht eigentlich völlig nervös und hibbelig sein? Aber irgendwie ist es genau anders herum und ich liege tiefenentspannt im Bett. Gerade so als ob das Bevorstehende das normalste der Welt wäre.

Was es aber natürlich nicht ist! Es ist meine erste OP überhaupt und ich habe keine Ahnung was mich erwartet. Ich weiß nur, dass ich im Grunde wahnsinnig großes Muffensausen habe, bzw. haben sollte. Vielleicht hat sich auch einfach nur mein Verstand abgeschaltet und / oder die Vorfreude überwiegt und hat gesiegt.

Ich bin noch tief in Gedanken, als sich die Zimmertür überraschenderweise öffnet und die Krankenschwester mit einem freundlichen „Guten Morgen“ den Raum betritt. Sie klärt mich ausführlich über den weiteren Verlauf bis zur Operation – welche um kurz nach neun sein soll – auf und vermisst noch mal meine Beine für die wunderschönen Kompressionsstrümpfe. Danach schickt sie mich duschen und meine Zimmernachbarin bekommt ihr letztes Frühstück bevor sie nach Hause darf.

Ich hätte jetzt auch gerne einen Kaffee oder so … Doch es hilft ja alles nichts, also schleiche ich mich ins Bad und nehme meine letzte Dusche für die nächsten Tage / Wochen!? Wieso hab ich nicht gefragt, wann ich nach der OP wieder duschen darf? Ist es jetzt wichtig? Wieso denke ich über solche Sachen nach! Die Dusche tut mir auf jeden Fall gut und ich kann mich nochmal von allen lästigen Haaren befreien. Wer weiß, wann das wieder geht!

Als ich das Badezimmer verlasse, sehe ich schon das OP-Hemd und die Strümpfe auf dem Bett bereit liegen. Also ziehe ich die Sachen unter einigen Schwierigkeiten an. Wie um Himmelswillen können Strümpfe nur so störrisch sein? Und das OP-Hemd !! Brrr, ich komme mir vor als ob ich im Grunde nichts an habe. Viel Zeit drüber nachzudenken bleibt mir allerdings nicht mehr, denn schon ist die Schwester wieder da und reicht mir eine Tablette die ich nehmen soll. Angeblich zur Beruhigung vor der Operation. Ich nehme sie also und mach es mir wieder im Bett bequem, denn ehrlich was soll ich jetzt noch tun außer warten?

Wirklich lange warten musste ich allerdings nicht und schon kam die Schwester um mich abzuholen. Ein seltsames Gefühl, wenn das Bett auf einmal los rollt und man noch drin liegt. Beim hinaus fahren aus dem Zimmer verabschiedete ich mich noch bei meiner Zimmernachbarin – die mir dann noch alles Gute gewünscht hatte – und schon ging es den Gang hinunter.

Habe ich schon mal gesagt, dass ich nicht gerne im Fokus stehe? Zumindest nicht, wenn ich es nicht selber beeinflussen kann. Aber irgendwie fühlt man sich in so einem rollenden Bett wie auf dem Präsentierteller und alle schauen dich an. Ein Glück, dass der Fahrstuhl nicht weit war und so ging es dann eine Etage tiefer zum OP-Bereich. Hey, Moment mal !! Sollte ich nicht eigentlich schon völlig entspannt sein? Einige haben mir berichtet, sie wären schon auf dem Weg zum OP weg gedämmert… ich bin noch hellwach und voll fit. Seltsam! Ein Glück, dass ich eh schon vorher entspannt war … und neugierig bin ich sowieso. Im Grunde für diesen Fall wohl die beste Kombination.

Die Tür zur OP-Schleuse ging auf und ich fuhr mit dem Bett in einen großen Vorraum in dem schon ein paar andere Betten standen. Kaum dort angekommen kamen auch schon die ersten OP-Schwestern auf mich zu und begrüssten mich mit Ihrem Namen – und das bei meinem schlechten Namensgedächtnis. „Frau Herbes wir betten sie jetzt um, können Sie auf das andere „Bett“ (OP-Tisch) wechseln?“ – Klar konnte ich! Zum Einem waren die Liegeflächen direkt nebeneinander und auf gleicher Höhe und zum Anderen war ich ja noch immer voll fit. Ich vermute die Tablette hatte irgendwie null Wirkung auf mich.

Kaum auf dem OP-Tisch bekam ich auch schon eine angewärmte Decke – die mehr wie ein großes Handtuch aussah – übergeworfen und ich merkte das erste Mal, dass es doch recht kühl dort ist. Genau in diesem Moment hörte ich hinter mir eine Stimme: „Wow, ein tolles Tattoo und wie intensiv die Farben. Das ist bestimmt nicht alt!?“ – Und schon sah ich wer es gesagt hatte. Frau Dr. Morath begrüsste mich, wünschte mir einen Guten Morgen und wir unterhielten uns noch kurz über das Tattoo bevor sie und ich schon wieder weiter mussten.

Also wurde ich den Vorraum zum OP geschoben wo mir die Nadel für die Narkose gesetzt werden sollte. Die Betonung liegt auf sollte, weil es der Schülerin einfach nicht glücken wollte mit der Kanüle die Vene zu treffen. Aber gut, sei es drum ich hatte ja auch zugestimmt, dass sie es probieren kann und mit Hilfe der Ärztin klappte es dann auch problemlos. Was mir allerdings mehr Sorgen bereitete waren die Gedanken, die mir in dem Moment kamen: „Was machst Du eigentlich hier?“, „Was wäre wenn Du jetzt einfach aufstehst und gehst?“.

Ein Glück, dass ich mich schnell wieder besann und mir wieder klar wurde, dass es für mich keine alternative gibt und ich aus guten Grund für mich diesen Weg gewählt habe. Kurze Torschlusspanik wird bestimmt erlaubt sein und viel Zeit hatte ich eh nicht zum Nachdenken. Denn da ging es schon weiter zur letzten Station den Operationssaal. Mit dem Hinweis „Jetzt ruckelt es kurz“ wurde der OP-Tisch dann auch schon an seine endgültige Position fixiert und da war ich nun.

Übrigens immer noch voll da – was in dem Fall wohl gar nicht verkehrt war.  Schließlich konnte ich so dafür sorgen, das meine lädierte Schulter – sie neigt dazu rauszuspringen – richtig gelagert wird. Ganz ehrlich, das hätte ich jetzt nicht auch noch gebraucht und es waren wirklich alle sehr bemüht es passend zu machen. Nur dass der Anästhesist so ein paar Minuten länger warten musste. Aber hey, dafür wurde er mit einer netten Unterhaltung mit mir entlohnt. Ich glaub so oft wird er es auch nicht haben, das eine Patientin noch kurz bevor sie einschläft so viel Blödsinn macht. „Suchen sie sich jetzt einen schönen Traum aus“ – „Nein, wieso sollte ich?“ – „Weil sie jetzt eine Zeit lang schlafen werden“ – „Ja und? Von dem Traum bekomme ich ja eh nicht viel mit“. So ging das eine ganze Weile hin und her. Aus dem Augenwinkel sah ich die Ärzte noch vor mir hin und her laufen. Dachte es ist wirklich kühl hier und hoffentlich werde ich nicht krank .. und *schnipp* die Lichter gingen aus.

Nach der GAOP – Mittags / Nachmittags

Das erste an was ich mich wieder erinnere, war dass ich bemerkte dass das Bett durch eine Tür rollte und wenige Augenblicke später wurde ich auch schon in den Aufwachraum geschoben. Ich war also noch am Leben – so viel stand schon mal fest. Mein Gott was war ich froh. Es hätte schließlich so viel passieren können! Aber lief die Operation auch gut oder haben sie sogar abgebrochen? Ich suchte im Aufwachraum nach der Uhr und fand sie links oberhalb von mir.

Kurz nach 13:00 Uhr … von der Zeit her (3,5 Stunden) also alles okay und die Operation verlief wohl ganz normal. Kurz darauf vielen mir die Augen wieder zu und ich wachte erst wieder um halb zwei auf. Uhr, was für ein Druck da unten. Ich griff langsam nach unten und ertastete einen Haufen Zeug, was ich für Verbandsmaterial hielt. Im nachhinein waren es aber hauptsächlich Sandsäcke und Kühlpacks.

Eine Schwester kam und fragte mich ob ich Schmerzen habe was ich im ersten Reflex bejahte. Der Druck war einfach enorm und ich hielt es für Schmerzen. Also lief der erste Tropf mit Schmerzmittel durch. Mittlerweile wurde ich immer klarer im Kopf und begann mich umzuschauen. Rechts neben mir, hinter mir und eigentlich an jeder freien Stelle stand ein Bett mit einer Patientin die dabei war aufzuwachen. Vor jedem Bett war die Patientenakte angebracht auf denen die Schwestern den Puls, den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung protokollierten.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie schnell ich gelangweilt und genervt war. Ich wollte nur noch ins Zimmer und meine Ruhe haben. Also was machte ich auch Verzweiflung? Ich fing an meine eigene Werte mit zu überwachen. Blutdruck 115 zu 75, Puls knapp über 70 und Sauerstoffsättigung bei 98% – Eigentlich könntet ihr mich doch gehen lassen? Na ja, ich bejahte dummerweise nochmal, dass ich Schmerzen habe und bekam einen weiteren Tropf Schmerzmittel mit einer höheren Dosis. Wenn schon denn schon.

Um kurz vor drei kam dann doch die Erlösung und ich kam endlich auf mein Zimmer. Endlich Ruhe und endlich Daheim anrufen und bescheid geben, dass es mir gut geht und die Operation überstanden ist. Zu viel mehr hat meine Kraft in dem Moment eh nicht mehr gereicht und ich dämmerte erstmal wieder ein paar Minuten im Bett. Als ich dann wach wurde, war mir erstmal so schlecht, dass ich die Schwester rief. Doch eh sie da war, war es auch schon so spät und ich erbrach die Schmerzmittel geistesgegenwärtig noch neben das Bett.

Die Schwester schaute darauf hin auf meine Akte und stellte nur fest, dass es ja kein Wunder wäre dass es bei der Menge an Schmerzmittel in der kurzen Zeit dazu kommen musste. Aber ehrlich? Mir war es nur peinlich, dass es überhaupt soweit gekommen ist und ich ihr dadurch Arbeit gemacht habe. Auf jeden Fall schlief ich danach die meiste Zeit. Freute mich wie eine Schneekönigin über meinen Zwieback und dem Wasser zu trinken. Es war geschafft. Die Operation war überstanden.

Dank der Schmerzmittel, die ich weiterhin per Tropf – aber nicht in so hoher Dosis bekam – war es durchaus erträglich. Vor allem Begriff ich langsam, dass ich im Aufwachraum keine Schmerzen hatte, sondern das mich der Druck von den Sandsäcken und das ich mich nicht drehen konnte einfach mehr belastete. Ein Glück das ich wirklich so geschafft war, dass ich die meiste Zeit nur so vor mir hin dämmerte.

Die erste Nacht nach der GAOP

Kurz nach 21:00 Uhr – Endlich hatte ich mal wieder eine halbwegs normale Phase und war nicht ständig müde oder am schlafen. Also knabberte ich genüsslich weiter an meinem Zwieback und telefonierte noch ein letztes mal am Tag mit meiner Partnerin. Bei diesem Gespräch kullerten dann die ersten Tränen. Nicht vor Freude – wie so viele berichten – sondern einfach nur vor Erleichterung es endlich überstanden zu haben. Wer hätte das gedacht, dass alles dann doch so schnell gehen würde?

Ich auf jeden Fall nicht! So war es dann kein Wunder, dass ich nicht nur einmal unter die Decke blicken musste. Nur um sicher zu stellen, dass die Operation wirklich statt gefunden hat. Wobei viel war eh nicht zu sehen. Verband, Kühlpacks, Sandsäcke und eine riesige Schwellung sahen eher nach einer Großbaustelle, als nach einer erfolgreichen Angleichung aus. Dazu ein riesiger Druck als ob sich ein Elefant auf den Intimbereich gesetzt hätte.

Das es sich dabei nicht um die Sandsäcke handelte konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnen. Doch als die Nachtschwester zum ersten Mal rein kam um nach dem Rechten zu schauen war ziemlich schnell klar was los war. Sie schlug die Hände über den Kopf und sagte nicht mehr als ein „Ooookayyy, ich bin dann mal weg und hol nochmal ein paar Eisbeutel und Sandsäcke“. Fünf Minuten später stand sie wieder in der Tür und sagte „Hier hat jemand eine Kühlparty bestellt?“ – Der Anfang von einer total verrückten Nacht.

Die Schwellung war wohl völlig aus dem Ruder gelaufen – ich hatte so zusagen meinen kleinen eigenen Mount Everest – und dazu eine fast sprachlose Schwester.  Zum Glück nahm ich und sie es mit Galgenhumor. Was hätten wir auch anderes tun sollen?  Zu ändern wäre es eh nicht mehr gewesen. Sie kam auf jeden Fall die komplette Nacht durch alle zwei Stunden mit frischen Eisbeuteln. Diese Nacht werde ich nie vergessen und die „Party“-Schwester hat sich einen riesen Platz in meinem Herzen verdient. Dank ihr konnte ich wenigstens die Nacht etwas schlafen und wer weiß welchen Schaden sie dadurch noch abwenden konnte?

Weiter geht es bald im vierten Teil vom „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“. Ihr habt die ersten beiden Teile noch nicht gelesen und wollt das nach holen? Dann klickt hier.

Liebe Grüße
Ellen