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nd gleich vor weg – bevor ihr denkt ich will mich bei Euch nur „aus jammern“. Nein, das ist nicht meine Intention bei diesem Beitrag. Es soll Euch viel mehr zeigen „was mich aktuell so bewegt“ und dass es eben nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Nicht umsonst gibt es den Spruch: „Wo Licht ist, da ist auch Schatten und wo Schatten ist, da ist auch Licht“. Aber am besten fange ich einfach mal an.

Viel hat sich in den letzten 2 1/2 Jahren verändert und noch mehr ist geschehen. Aus dem introvertierten getriebenen hässlichen und mit sich unzufriedenen Entlein ist im Ansatz ein Schwänchen geworden. Ich bin ausgeglichener und bei allem Dingen die ich denke und tue mehr bei mir selbst. Ich verschwende kaum noch Zeit darauf mir Gedanken zu machen wie ich wirke, weil ich den größten Teil meiner Selbst nicht mehr unterdrücke. Mit anderen Worten für mein Umfeld ist nach über 35 Jahren das Gesamtbild endlich stimmig.

Und da kommen wir schon zu meinem wohl größten Problem. Ich sehe mich anders als alle anderen als nicht schön. Klar ich habe wahnsinnig tolle Momente an denen ich mich total berauscht fühle, weil einfach alles stimmt. Ich merke das ich nach all der Zeit endlich da bin wo ich mich immer hin gewünscht habe. Doch gibt es eben auch die Tage die genau gegenteilig sind. Ich finde mich einfach schrecklich. Sehe an jeder noch so kleinen Stelle etwas „männliches“.

In ganz extremen Tagen – an denen ich dann sogar Probleme habe ein- und durchzuschlafen habe – ist es dann sogar schon so schlimm, das ich das Gefühl habe das ich aus der Hautfahren möchte. Alles fühlt sich falsch und fremd an. Vergleichbar mit einem Kribbeln am ganzen Körper – nur im negativem Sinn. Es sind die Situation an denen ich am liebsten von meinem Körper fliehen möchte es aber eben nicht kann. Die Frage: „Wieso, ausgerechnet mir?“ – Wird mir keiner beantworten können und soll auch niemand. Ich bin gefestigt genug um zu verstehen, das es meine „Prüfung“ für das Leben ist und das es mich auch zu dem Menschen macht der ich bin.

Bleibt zu hoffen dass dieser auch liebenswert ist? Ich denke schon, auch wenn es immer mal wieder Menschen in meinem Leben gibt die meine Freundschaft die bedingungslos offen und ehrlich ist nicht zu schätzen wissen. Diese Menschen treten in mein Leben und verlassen es meist genauso schnell auch wieder von alleine. Das ich mich dann frage ob ich etwas falsch gemacht habe ist hoffentlich verständlich. Wobei mir bewusst sein sollte, dass das Leben nun mal so ist.

Doch bin ich auch ehrlich zu mir selbst. Ich brauche keine Menschen in meinem Leben die kommen und schnell wieder gehen. Ich brauche dringend „echte“ Freunde. Freunde mit denen man etwas unternehmen kann und sei es nur einfach Abends auf dem Sofa hocken und Blödsinn machen. Ja, es fehlt mir eine beste Freundin. Einer der ich neben meiner Partnerin meine Ängste und meine Sorgen anvertrauen kann. Es wird sich zeigen ob sich hier irgendwann eine Lösung finden wird.

Aber zurück zum Thema. „Was mich aktuell so bewegt“ – Neben den ganz normalen zwischenmenschlichen Problemen. Gibt es auch positives was mich antreibt. So ist der Antrag meiner Geschlechtsangleichenden Operation jetzt schon bald vier Wochen bei der Krankenkasse. Bis auf den Hinweis, dass die Unterlagen an den MdK weitergeleitet wurden habe ich auch noch nichts von der Krankenkasse gehört. Lange wird es sich aber nicht mehr dauern. Ich hege ja die kleine Hoffnung, dass der Antrag vielleicht ohne Probleme durchgeht und mir der Wunsch auf die Operation im nächsten Jahr erfüllt wird.

Ellen 2016

Die Hormonersatztherapie (HET / HRT) hat bei mir eben viel mehr psychisch als körperlich verändert. Obwohl wenn man Fotos von mir anschaut, das Gesicht hat sich schon massiv zum Positiven verändert. *happy* Aber das ist ein anderes Thema. Auf was ich hinaus will. Ich habe ein extremes Problem das Teil da unten noch als Teil von mir anzusehen. Ich vermeide es mittlerweile grundsätzlich auch nur einen Blick dort hin zu werfen oder ich blende es im Geiste so aus als ob es gar nicht da wäre. Wie erklärt man es am besten? Ich glaube ja, nur andere Menschen mit Trans*-Hintergrund (egal ob Mann oder Frau) können verstehen was ich meine. Es ist etwas da, was nicht da sein sollte. Es belastet dich so sehr, dass du jedes Verhältnis dazu verloren hast.

Und um beim Thema Licht und Schatten zu bleiben. Die positive Veränderung. Mein Körper ist mir nicht mehr egal. Vor dem ganzen Weg war es mir im Grunde egal was mit meinem Körper passiert ist. Eine neue Narbe. Ja und? Brandblase – mir doch egal. Ich hatte das Verhältnis zu mir selbst verloren gehabt. Allerdings kommt es jetzt so langsam wieder und es ist total seltsam. Auf einmal bin ich mir selbst wichtig genug um auf mich zu hören. Aber ob mein extrem herunter gesetztes Schmerzempfinden jemals halbwegs einen „normal“ Level erreichen wird wird sich erst noch zeigen.

Ich vermute ja, dass es sich irgendwann nach der Operation einstellen wird. Kann mich aber auch täuschen. Es zu beobachten wird dennoch interessant. Nun heißt es aber erst mal wieder aus dem Tal der depressiven Phase heraus zu schaufeln. Auch das wird mir gelingen. Positives denken ist dafür der erste Schritt in die richtige Richtung.

Liebe Grüße
Ellen