Transsexueller-Lebenslauf

Transsexueller-Lebenslauf

Wer sich auf den Trans*-Weg macht wird früher oder später auf ihn stoßen!? Mal früher, mal später – je nachdem wie schnell man auf seinem Weg voran kommt und welche Stellen ihn alles haben möchten. Dabei wird man leider völlig allein gelassen und bekommt nie wirklich gesagt was verlangt wird. Auch eine Suche im Internet mag Dir nicht unbedingt viel helfen? Warum wirst Du gleich erfahren. Auf jeden Fall habe ich beschlossen mein Wissen und meine Tipps zu dem Thema (bestimmt Lückenhaft)  zusammenzufassen. Zumindest hat es mir so geholfen einen eigenen zu schreiben.

Was ist ein Transsexueller-Lebenslauf ?

Vorweg erst Mal: Ein Transsexueller-Lebenslauf  (TS-Lebenslauf) ist kein Hexenwerk!!! Lasst Euch nicht verunsichern. Er soll einfach nur aufzeigen wie Eure transsexuelle Entwicklung im Laufe des Lebens war. Sprich, dass Ihr Euch schon mehr als 3 Jahre dem „anderen Geschlecht“ zugehörig fühlt. Er beinhaltet also einfach nur alle Schlüsselerlebnisse – an die Ihr Euch erinnern könnt – die in irgendeinen Zusammenhang mit einer „möglichen“ Transsexualität gebracht werden könnten. Das erste Mal tragen von Frauenkleidern oder eben das erste Mal gemerkt gehabt zu haben, dass die Rolle die von Euch erwartet wird nicht die ist in der Ihr Euch seht.  Und nein – Ihr müsst nicht Euer komplettes Leben aufschreiben. Es geht wirklich nur um die wichtigsten Punkte.

Wenn ich überlege wenn ich mich an jede Situation in meinem Leben erinnert hätte, an denen ich gemerkt habe das es nicht passt oder ich eben einfach nur die Flucht in die „gegengeschlechtliche“ Kleidung gemacht habe. Ich könnte damit ganze Bücher füllen. Von Situationen an die ich mich lieber nicht erinnere.  Und verzweifelt nicht, wenn Euer Lebenslauf nur eine halbe Seite Text ist. Wenn Ihr nicht mehr zu berichten habt, dann ist es eben so. Ihr sollt ja schließlich keinen Autobiografie verfassen.

Hauptsache Ihr seid ehrlich und erfindet nicht irgendwelche Dinge. Glaubt mir, sowas kann ganz schnell zum Boomerang werden wenn z.B. ein Gutachter Euch nach konkreten Punkten aus dem Lebenslauf befragt. Aus diesem Grund halte ich auch nichts davon Euch eine Vorlage bereit zustellen. Man neigt dann doch dazu, Stellen oder Passagen aus diesem zu kopieren und für sich zu übernehmen.

Ach ja – und trotzdem nochmal den Hinweis lasst wirklich alles Weg, was nicht mit Trans zu tun hat. Es sei denn es ist hilft andere dabei sich ein Gesamtbild von Euch zumachen. Wie zum Beispiel: „Auf Grund meines seelischen Verfassung, wurden meine Leistungen in der Schule/Arbeit immer schlechter“. Genauso sind familiäre Probleme die dadurch verursacht worden wichtige Punkte die Ihr mit aufnehmen solltet.

Wozu benötige ich ihn?

Benötigen wirst Du den Transsexuellen-Lebenslauf spätestens dann, wenn Du planst eine Vornamens- und Personenstandsänderung zu machen. Die Amtsgerichte möchten diesen in der Regel immer haben. Was auch in einer Hinsicht verständlich ist – sie brauchen auch irgendwas für ihre Akten. Dann kann es auch noch sein, dass die Gutachter ebenfalls diesen Lebenslauf möchten um eine Basis für die Erstellung des Gutachtens zu haben. Es macht auch Ihnen die Arbeit halt ein wenig leichter.

Solltest Du darüber hinaus auch eine Geschlechtsangleichende Operation wollen – kannst Du fest davon ausgehen, dass auch der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) einen Lebenslauf für die Prüfung des Antrags haben möchten.  Ja, das System ist extrem neugierig. Was ich durchaus als Kritikpunkt sehe. Ich bin der Auffassung, dass dem MDK im Grunde die positiven Gutachten von der VÄ/PÄ reichen sollten. Aber gut, schauen wir mal wie sich das Ganze in Zukunft entwickeln wird.

Als letztes gibt es noch einige Psychotherapeuten und Ärzte  die gerne von Ihren Patienten einen solchen Lebenslauf möchten. Wobei ich es ab und zu bei Psychotherapeuten noch verstehen kann, wenn sie sich ein genaueres Bild von ihrem Gegenüber machen wollen. Oder eben als Therapieansatz, dass der Patient einmal dazu „genötigt wird“ sich einmal mit sich selber genauer zu beschäftigen und um sich damit klar zu werden was mit ihm / ihr los ist. Aber ansonsten würde ich auch hier sagen. Es geht eigentlich niemanden was an und ein Therapeut sollte im persönlichen Gespräch eigentlich genug von Dir erfahren.

Wie schreibe ich ihn  ?

So, kommen wir nun zum interessanteren Teil. Du sitzt vor einem weißen Blatt Papier und sollst Deinen eigenen persönlichen Transsexuellen-Lebenslauf schreiben? Mein Rat, wäre mach erstmal eine grobe Einteilung in bestimmte Zeitabschnitte (wie zum Beispiel: Vorschulzeit, Schulzeit, Ausbildung, Beruf, Leben bis Heute, etc) – Du bestimmst es selbst. Auf jeden Fall tust Du Dir leichter immer nur bestimmte Zeitabschnitte zu behandeln, als immer das Ganze auf einmal zu sehen.

Als nächstes würde ich mir irgendwo Notizen machen was in der Zeit so alles war.
Und stell Dir einfach immer für jeden Abschnitt solche Dinge wie:

  • Wie hast Du Dich zu der Zeit gefühlt ? (Trans*-Kontext, Mann, Frau, etc.)
  • Wie hat das Umfeld auf Dich reagiert ? (Eltern, Freunde, Familie, Partner)
  • Was hast Du gemacht / gedacht ?
    (Trans*-Kontext, zum Beispiel: erste Mal eine Strumpfhose getragen, Haare abgeschnitten)
  •  Wie hast Du Dich vor allem dabei gefühlt
  • Gab es Probleme weil Du so bist wie Du bist ?

Wenn Du alles beisammen hast, versuch es in eine zeitliche und verständliche Abfolge zu bekommen. Und vergiss es, dass Du mit Deinem ersten Entwurf zufrieden bist. Ich glaube ich habe fast 8 Wochen immer wieder dran gearbeitet. Immer hat mir irgendwas nicht gefallen. Außerdem ist mir immer wieder etwas Neues eingefallen oder einige Passagen habe ich gestrichen, weil ich sie einfach doof fand. Vor allem, weil sie aber auch überhaupt nichts zum Thema Trans* beigetragen haben. Für mich war es mehr oder weniger ein heran tasten an den endgültigen Lebenslauf.

Wenn Du zum letzten aktuellen Abschnitt (also dem Hier-und-Jetzt) kommst solltest Du evtl. zum Abschluss noch schreiben wie es Dir gerade geht. Was sich schon alles verändert hat. Wie Du Dir Deine Zukunft vorstellst und was Deine Pläne sind. Genauso solltest Du einen Status über dein geplanten oder gemachten Outings geben. Beschränk es aber auch nur auf die Wichtigsten.

Wenn alles passt hast Du dann irgendwann Deinen Transsexuellen-Lebenslauf fertig und siehst selbst wann eigentlich der erste Schlüsselmoment in Deinem Leben war an dem Du wusstest dass Du „anders“ bist oder dass es ab da nicht mehr weiterging und Du den „Bruch“ wagen musstest. Nur setz Dich einfach nicht selbst unter Druck. Dein Lebenslauf ist so individuell wie Du selbst.

Fazit

Einen Transsexuellen-Lebenslauf ist eine sehr emotionale Sache. Zumindest war es bei mir so. Es gab ganze Passagen die mich immer wieder zum Weinen brachten oder bei denen ich einfach eine Pause mit dem Schreiben machte musste. Nimm Dir alle Zeit die Du brauchst. Ich weiß wie sehr es alles wieder aufwühlt. Gerade Dinge, die man selber so gut es ging versucht hat zu verdrängen und nun muss man sich doch wieder damit beschäftigen.

Dennoch ist das alles ein Teil Deines Lebens und Du wirst sehen es wird Dir auch gut tun das Ganze auch mal auf Papier zu bringen. Vor allem wirst Du ihn irgendwann schon brauchen. Wo mit, ich beim Kernpunkt des Fazits bin. Schiebe den Lebenslauf nicht ewig auf. Am Besten setzt Du Dich schon gleich am Anfang Deines Weges hin und lässt einfach mal alles raus. Egal ob Du ihn in naher Zukunft brauchst oder nicht. Eines Tages brauchst Du ihn und dann hast Du schon etwas fertiges in der Schublade.

Es nimmt Dir eben auch den Zeitdruck den Du sonst evtl. hast, wenn irgendeine Stelle den Transsexuellen-Lebenslauf von Dir will. Wem Du den Lebenslauf aber gibst liegt an Dir. Ich persönlich würde es nur den Stellen geben, die ihn auch wirklich benötigen, bzw. ohne nichts machen wie das Amtsgericht. Du schaffst es!!

Liebe Grüße
Ellen

Edit: Einen Ansatz / Eine Vorlage für einen Trannsexuellen Lebenslauf findest Du » hier zum Herunterladen « .